Berühmte Verhörer in der Pop-Musik: „Kirschkuchen, Kirschkuchen, stups ihr Gesicht!“

Imitieren, kopieren, parodieren? Vergessen Sie's! Erst Phantasie-Sprachen-Gebrabbel und falsch verstandene Texte heben Pop-Hits auf eine ganz neue Stufe. Manchmal besser, manchmal nicht. Aber immer sehr viel witziger als das Original. 

Wir verraten Ihnen auch gleich, wie das sein kann. Dazu müssen wir aber erst ein Missverständnis aufklären. Ein furchtbar tragisches. Wegen dieses Missverständnisses musste sogar einst jemand unglücklich sterben: die schottische Adelige Lady Mondegreen. So heißt es in der jahrhundertealten Ballade „The Bonny Earl of Murray“

„They ha'e slain the Earl of Murray / and ha'e Lady Mondegreen“ (Sie haben den Earl of Murray erschlagen / Und Lady Mondegreen). 

Tja, und hier liegt die Lady nun.

Bis heute spukt ihr Geist in unseren Ohren und Gedanken herum. Angerichtet hat das die amerikanischen Autorin Sylvia Wright. Als Kind hatte sie sich verhört und kam erst viel später dahinter, wie der Text tatsächlich lautet: 

„They ha'e slain the Earl of Murray / And ha'e laid him on the green“ (Sie haben den Earl of Murray erschlagen / Und legten ihn aufs Gras). 

Als „Mondegreen“ kennt man solche Falschversteher seitdem in den USA. Einmal in der Welt, breiten sie sich immer weiter aus. Denn wir tragen mit den Lippen weiter, was unsere Ohren auffangen - können oder wollen. 

So versuchte vor einigen Jahren Valentina Hasan, das bulgarische „Pop Idol“ zu werden. Vor einer verblüfften Jury kämpfte sie mit der englischen Sprache und den richtigen Tönen. Und mit ihrer Sehnsucht nach einem gewissen „Ken Lee“. Den kannte davor niemand und danach die halbe Welt.

Mariah Carey schnulzte in ihrem Original-Song „Without you“ einfach nur irgendwen an. Aber Valentina brachte auf den Punkt, wen sie mit ihrem semi-englischen Phantasie-Geschwurbel anhimmelte. Semantik adé, hallo Drama! Die Quintessenz des Pop! 

Zum ganz großen Ruhm reichte das zwar nicht. Aber mit der asiatischen Variante des „Barbie“-Gatten Ken erhielt der aberwitzige Wort-Irrsinn am Ende sogar ein Gesicht. Puh, doch irgendwie ein Happy End. Wenn auch ein zufällig entstandenes.

„Soramimi“ nennen Japaner dieses Phänomen. Fremdsprache wird durch etwas ersetzt, das so ähnlich klingt. Viele Deutsche reimen sich etwa beim 90er-Eurodance-Trash „The Power“ von Snap etwas von einer „Agathe Bauer“ („I got the Power“) zusammen.

Wahre Lyrik geht durch den Magen

Auf Webseiten wie www.kissthisguy.com oder www.amiright.com tragen die Verhörer-Verfluchten zusammen, was sie in den Songs ihrer Lieblingsstars zu hören glauben.  Da macht abgeschmackte Pop-Romantik Platz für originelle Gedankenspiele. Entfesselt von Sinn und Logik wirken die Texte dafür plötzlich beseelt von schräger Dramaturgie.

Besonders, wenn es um Allerweltliches wie Essen geht. Das schreit danach, in Bildern verewigt zu werden. Hier haben wir 14 köstliche Beispiele für Sie. Aber Vorsicht: Ist der Verhörer einmal drin, werden Sie ihn so schnell nicht mehr los.

 

Celine Dion - My Heart will go on

Bee Gees - Staying Alive

Percy Sledge - When a Man loves a Woman

Madonna - La Isla Bonita

Barry White - You're the First, the Last, my Everything

Echosmith - Cool Kids

Survivor - Eye of the Tiger

The Beatles - Lucy in the Sky with Diamonds

One Direction - I Wish

Nirvana - Smells Like Teen Spirit

The Rolling Stones - Beast of Burden

Metallica - Fuel

Abba - Mamma Mia

U2 - Where the Streets Have No Name

(alle Collagen: Berliner Zeitung/Clemens Schnur;

Bildquellen: Imago, dpa, Getty, Rex Theater, Universal, Universal International, Columbia, 20th Century Fox, Warner Bros., Island, Scotti Bros. Records, Mattel, Atlantic, Stewart Smith@flickr)