Es ist geschafft: Trotz lange unklaren Finanzrahmens und unterschiedlichster Einzelinteressen von 40 Diskutierenden und mehreren Dienststellen, ist innerhalb von nur vier Monaten das Beteiligungsverfahren zur Zukunft der Alten Münze zu einem Ergebnis gekommen.

Und zwar zu einem, über dessen „Professionalität“ sich Birgit Möhring, die Geschäftsführerin der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) am Donnerstagabend bei einem öffentlichen Forum in Haus 2 des Gebäudekomplexes durchaus "beeindruckt" äußerte. Kultursenator Klaus Lederer musste zwar an zwei Stellen Wasser in die Suppe gießen, aber auch er betonte bei der Pausenzigarette im Hof: „Dass Sie das nicht falsch verstehen: Was sich da oben abspielt, finde ich unglaublich cool.“

Neben einer "Charta" für den Charakter des zukünftigen Kulturareals (kooperativ, vielfältig, interdisziplinär, ökologisch und sozial ...) und einem generellen Nutzungsprofil sind die "Raumtalente" der durch einen gemeinsamen Keller verbundenen Gebäude herausgearbeitet worden, wobei von vornherein klar war, dass sich der Ort besonders gut für den Bereich der Musik eignen wird.

Produktions- und Präsentationsareale in ein Geflecht gemeinschaftlich genutzter Räume

Der Plan unterscheidet öffentliche und interne, zentrale und periphere, einzelne und gemeinschaftliche, kleinteilig oder großzügig zu bemessende Flächen. Spezifisch ist sicher, dass Produktions- und Präsentationsareale in ein Geflecht gemeinschaftlich genutzter Räume eingebunden sind, die von Lagern, technischen Bereichen und einem Fundus über eine Kantine, eine Bibliothek und Kinderbetreuungsfläche bis zu Gästewohnungen reichen.

Für das zentrale Gebäude gibt es schon aus früherer Zeit drei Konzepte, die sich alle integrieren ließen und gleichberechtigt zur weiteren Diskussion gestellt werden: ein House of Jazz, ein Ort der freien Musikszene oder ein transdisziplinäres Haus für Kunst und Kultur. Was diese betrifft, die weitere Diskussion, machte der Kultursenator (erster Schluck Wasser!) allerdings schnell klar, dass ihm einige Personen des jetzigen Prozesses in einer AG Nutzung zwar als Berater willkommen seien, dass die Entscheidung über die tatsächliche Nutzung aber von der Kulturverwaltung gefällt werden wird.

Und dass sich die Diskussion auch nicht bis zur geplanten Eröffnung im Jahr 2026 hinziehen werde, sondern nur bis Ende Oktober, wenn das Konzept dem Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses vorgestellt wird. "Wenn das Bedarfsmodell einmal steht, wird mit der Baumaßnahme begonnen." Lederer ließ auch keinen Zweifel daran, dass dann nichts mehr geändert werden könne. Bauverschleppung und selbstverschuldete Teuerung werde es mit ihm nicht geben. Schlimm genug, dass die 35 Millionen Euro, die für die Sanierung und einen Erweiterungsbau zur Verfügung stünden, jedes Jahr acht Prozent von ihrem Bauwert verlören!

Die durchschnittliche Nettokaltmiete soll 6,50 Euro für die gesamte Fläche betragen

Die durchschnittliche Nettokaltmiete bezifferte Lederer - das ist neu und ein Ergebnis endlich abgeschlossener Gespräche mit der Finanzverwaltung - verbindlich mit 6,50 Euro pro Quadratmeter für die gesamte Fläche. Die freie Kulturszene hatte eher an drei bis fünf Euro gedacht, aber damit (zweiter Schluck Wasser!) müssten sie jetzt leben und Ideen ("coole Ideen") entwickeln, wie sie das stemmten, so Lederer. 

Wenn man bedenkt, dass sich der Betrag der Bruttowarmmiete für die Nutzer durch die Mitfinanzierung von Fluren etc. sowie betriebswirtschaftliche und andere Kosten locker auf das Doppelte summieren wird, eher sogar auf noch mehr, liegt in dieser Zahl durchaus Sprengkraft.

Andererseits könnte man tatsächlich darüber nachdenken, einige "Multifunktionsflächen" durch wechselnde Vermietung zu vergolden, wie es etwa der Grünen-Politiker Daniel Wesener vorschlägt. Oder darüber, Probenräume auch mal in mehreren Schichten zu nutzen oder ein gastronomisches Angebot zu schaffen, das so speziell ist, dass es Geld einbringt und dennoch ins Gesamtkonzept passt. Idealerweise, so Lederer mit Euphorie, werde aus der Alten Münze ein Ort, der sich so gut trage, dass auch mal ein Projekt für eine Zeitlang hier reinkönne, dass gar nichts für die Räume bezahlen müsse.  

Vertreter der Kreativwirtschaft werfen dem Prozess Voreingenommenheit vor

Nicht so zufrieden mit dem Verlauf des Prozesses waren einige Vertreter der so genannten Kreativwirtschaft, etwa Pascal Johansen, Kurator des Direktorenhauses, eines Museums und einer Produktionsstätte für Kunsthandwerk, das in Haus 2 der Alten Münze bereits Zwischennutzer ist. Er warf dem Verfahren Voreingenommenheit vor und bezweifelte, dass das vorgestellte Nutzerkonzept von allen Beteiligten mitgetragen werde, musste sich dann aber seinerseits den Vorwurf gefallen lassen, gar nicht an allen Workshops teilgenommen zu haben. 

Die Kluft zwischen freier Kunst und Kreativwirtschaft zog sich durch den gesamten Diskussionsprozess. Wieviel Gewerbe muss als Kröte am Ende geschluckt werden, um das Ganze finanzieren zu können und auch die tatsächlichen Zwischennutzer nicht einfach zu übergehen? Die jetzige Planung bleibt da sehr offen. Wobei natürlich auch Kreative auf bezahlbare MIeten angewiesen sind. Und beispielsweise Kunstgewerbe ein Gelände auch für kunstferneres Publikum durchaus attraktiv machen könnte. Aber will man das hier?    

Der erste Akt eines Modellprozesses ging am Donnerstagabend zu Ende. Noch niemand weiß, wieviel Akte es bis zur Eröffnung der Alten Münze geben wird, dieses Partizipations-Stück wird geschrieben, während es schon gespielt wird. Schon jetzt aber hat es die Verwaltung, die Kultur und die Öffentlichkeit so nah zueinander gebracht wie schon lange nicht mehr. Das ist in jedem Fall ein guter Start.