Berlin - Vor Bettina Wulffs Befindlichkeiten gibt es derzeit kein Entrinnen. Die ehemalige First Lady der Republik hat ihr Innenleben generalstabsmäßig ausgebreitet. Erst im Buch, dann in gefühligen Interviews in Blättern wie Brigitte, Bunte, Gala oder Stern. Jedes dieser Gespräche enthält ein neues Häppchen aus Wulffs Leben, exklusiv und offensichtlich genau für diesen Zweck vorgehalten.

Wir erfahren von den Eheproblemen der Wulffs und ihrer Paartherapie. Wir hören, dass Christian Wulff nicht genug Zeit für seine Frau übrig hatte, als er gerade mitten in dem Skandal steckte, der ihn schließlich zum Rücktritt zwang. Wir lesen, dass die Dahlemer Residenz des Bundespräsidenten nicht anheimelnd ist. Dass die Mitarbeiter des Präsidialamtes nicht viel Sympathie zeigen. Dass die Frau des Bundespräsidenten einen langen Arbeitstag hat, in dem sie sich nicht selbst verwirklichen kann.

Bettina Wulff will bemitleidet werden, und sie will bewundert werden. Sie bedient gezielt die Gier der Öffentlichkeit, das Menschelnde hinter den Kulissen der Macht vorgeführt zu bekommen. Und zugleich hilft sie damit der Familienkasse auf, die durch die Anwaltsrechnungen ihres Mannes belastet ist.

Geltungssucht und Geschäftssinn

Nichts von alldem ist verboten. Aber ganz unabsichtlich ruft uns Bettina Wulff auf diese Weise in Erinnerung, warum wir so froh sind, dass sie und ihr Mann aus dem Schloss Bellevue verschwunden sind. Es ist genau diese Mischung von Geltungssucht und Geschäftssinn gewesen, über die Christian Wulff gestolpert ist.

Natürlich kann Bettina Wulff den Gerüchten entgegentreten, sie sei Prostituierte gewesen. Sie kann das in öffentlichen Stellungnahmen tun, sie kann das auch juristisch durchfechten. Das beeinträchtigt nicht die Würde des Amtes, das ihr Mann innehatte. Im Gegenteil.

Aber die Vermarktung des gesamten Privatlebens, wie Bettina Wulff sie betreibt, die verträgt sich nicht mit dem höchsten deutschen Staatsamt, auch nicht im Nachhinein. Andere First Ladys in der Geschichte der Bundesrepublik werden es auch nicht immer leicht gefunden haben, für ihren Mann das Eigene so weit aufzugeben. Aber niemals wären sie auf die Idee gekommen, sich darüber in der Illustrierten auszuweinen.