Ho, ho, „Weltpremiere“. Das Wort wurde vom Geschäftsführer des Chamäleon mehrfach bedeutungsvoll in den Saal geschickt. Dabei kommt die Truppe, die jetzt in den Hackeschen Höfen in Berlin-Mitte gastiert, aus Australien. Sie muss das doch zu Hause schon mal probiert haben! Lobende Aussprüche von da und dort standen ja auch auf dem Programmzettel.

Dennoch also „Weltpremiere“ für „Beyond“ in Berlin. Sogar der Kultursenator Klaus Wowereit wollte sich das anschauen. Er hat sich amüsiert. So wie all die anderen im Saal, die ihre Bravos nach vorn schickten, immer wieder klatschten und auch zwischendurch Laute des Staunens und Bewunderns ausstießen. Weltpremiere hin oder her, auf die Bezeichnung kommt es nicht an. Es ist eine wortlose Kunst, die da vorgeführt wurde und nun über Monate im Chamäleon zu sehen ist.

Das Ensemble Circa verzaubert durch Körperlichkeit. Vier Frauen und fünf Männer führen Bewegungen vor, die staunen lassen, so vielseitig, so kraftvoll, ausdauernd und schnell. Die verstehen ihren Beruf und sie wurden sinnvoll angeleitet zu Verausgabungen am guten alten Trapez, an den Pole-Stangen, an den Strapaten und auch mit sich selbst.

Das kann man sogar im Saal sehen, denn eine Artistin hangelte sich am Vertikaltuch zwischen den Sitzenden in die Höhe oder wirbelte direkt über etlichen Köpfen im Spagat durch die Luft. Besonders die Frauen beeindrucken durch Kraft und Biegsamkeit. Eine trug lässig eine Kollegin und einen Kollegen übereinander stehend auf den Schultern. Dieselbe war später auch in der Lage, einen völlig verdrehten Zauberwürfel, einen Rubik’s Cube, zurecht zu fummeln, während sie von ihren Mitarbeitern regelrecht angesprungen wurde.

Circa gastierte vor zwei Jahren mit dem Programm „Wunderkammer“ am selben Ort, damals war schon zu sehen, dass die Truppe ihr artistisches Körperwerk beherrscht. Das neue Programm „Beyond“ erzählt zwar immer noch keine richtige Geschichte, auch wenn ein paar Requisiten wie riesige Plüschhasenköpfe und ein Bärenkostüm das glauben machen sollen.

Die Ankündigung, man dürfe mit Alice aus dem Wunderland schauen, was sich im Kaninchenloch tut, war leider übertrieben. Auch die Musik wirkte zumindest in der ersten Hälfte recht zufällig zusammengestellt. Dennoch wird bei „Beyond“ mehr als ein Nummernprogramm geboten.

Die einzelnen Aktionen gehen ineinander über oder auseinander hervor, kleine pantomimische Zwischenspiele lassen eine Beziehung zwischen den Personen erkennen. Und das Ganze trägt eine spielerische, lebensfrohe Stimmung. Es ist ein Spaß wie mit Seifenblasen: Man staunt über die kleinen glitzernden und über die großen schillernden Gebilde. Sie halten nicht lange, aber erhellen das Gemüt. Am Ende hat man das Gefühl, dass das Chamäleon gewachsen sein muss, so ausladend und bunt wirkte die Show.

Beyond, bis 2. März 2014 im Chamäleon, Karten unter Tel.: 40 00 590 oder per Online-Buchung im Ticketshop