Berlin - Am Donnerstagabend, als im Berlinale-Palast Promis, Politiker, Reiche, Schöne und Dieter Kosslick die Eröffnung zelebrierten, feierten im .HBC an der Karl-Liebknecht-Straße andere ihre eigene, wahrscheinlich bessere Party.

Veranstalter war das Netzwerk crew united, die Datenbank und Kontaktbörse für Kino-Arbeiter und Jungfilmer. Fast 12.000 Filmschaffende und 53.000 Schauspieler sind dort gelistet, und beim „Crew Call Berlin“ am Donnerstag scheinen alle gekommen zu sein. Die Organisation wirkt improvisiert, ist aber makellos: Am Eingang muss man warten, dafür wird Glühwein gereicht, gegen die Einladung mit Barcode erhält man ein pink-rotes Handgelenk-Bändchen, eine Getränkemarke und einen Aufkleber, der erklärt, wer man ist („Thomas Klein, Berliner Zeitung“). Letzteres entpuppt sich als gut gemeint, aber sinnlos. Denn im .HBC wird offenbar spontan ein Berlinale-Filmtitel nachgestellt, es ist extrem laut, unglaublich eng – und dunkel. Namensschilder sieht hier keiner.

Man kommt ins Gespräch

An der Bar arbeitet das Personal heldenhaft die Bestellungen ab, Alkohol ist in der Filmszene gängiges gesellschaftliches Gleitmittel. Die Getränkemarke hat komischerweise zwar keine Gültigkeit, aber es gibt Suppe für alle. Man trägt informellen Chic, vom T-Shirt und dem Sommerkleid bis zum Arktis-Parka ist stilmäßig alles dabei. Der „Crew Call“ ist – wie alles bei der Berlinale – auch Schaulaufen.

In den hinteren Räumen und Gängen ist es leerer und leiser. In einem Zimmer hantiert jemand mit seinem Laptop, um ein paar Leuten aufgeregt etwas zu zeigen; ob es sich um ein neues Filmprojekt oder eine Facebook-Seite handelt, ist nicht erkennbar. Es gibt eine eigenwillige Mischung aus Ausgelassenheit und Ernüchterung: Die Karten für den „Crew Call“ waren schnell weg, ein paar Anwesende wirken allerdings so, als wären sie lieber im Kino.

Aber man kommt ins Gespräch. Zum Beispiel mit zwei jungen Filmproduzenten, der eine Autodidakt aus Sachsen-Anhalt, sein Partner von der HFF. „Natürlich wäre es schöner“, sagt der Student, „wenn die Leute hier nicht nur für sich und untereinander bleiben würden. Aber das ist bei solchen Veranstaltungen wohl immer so.“ Warum die beiden hier sind? „Wegen dem hier“, sagt der HFFler, deutet mit seinem Gin-Tonic auf sich und den Reporter und lacht, „darum geht es doch: Netzwerken!“ Bald ist er abgelenkt und im Gespräch mit drei jungen Damen, die ihn enthusiastisch begrüßen, sein Freund skizziert derweil das aktuelle Projekt und spricht über ihr geplantes Finanzierungsmodell. Das deutsche Filmförderungssystem sei ungenügend, sagt er, neue Ideen oder ungewöhnlichere Geschichten bekomme man kaum finanziert. „Und wenn ich einen Film mache“, sagt der Jungproduzent aus Sachsen-Anhalt, „möchte ich, dass die Leute korrekt bezahlt werden.“ Bis dahin wird weiter genetzwerkt. Und gefeiert.