Berlin - „Beweg dich durch die Welt, als wär‘s der letzte Tag deines Lebens.“ Dieser Satz steht im Vorwort von Death. Magick. Abundance. „Als wär‘s der erste Tag deiner Partnerin im Himmel.“ Entsprechend bewegen sich die Leute in diesen Fotografien: exzessiv, tanzend, auf dem berüchtigten Straßenfest von Mardi Gras, mit Echsen und Schlangen behangen, mit Federn und Masken, Krönchen, bunten Klamotten und glitzernden Pailletten. Am Hafen, inmitten eines Black-Lives-Matter-Protests, oder auch einfach nur im eigenen Vorgarten vor verwachsenem Efeu. 

Wir sind in New Orleans, im Hochsommer 2019, man kann das Schießpulver förmlich riechen. Die Armuts- und Mordrate der Stadt im Südstaat Mississippi ist die höchste der USA. Aber die Fotografien von Akasha Rabut zeigen eine andere Seite: Sie zeigen die strahlende Schönheit, schräge Coolness, auch die offene Liebenswürdigkeit ihrer Bewohner. Aller Widerstände zum Trotz finden sie Freude im Kleinen, auf Feiern oder auf Conventions, wo sich alles um Pferde, Autos oder Motorräder dreht. Manchmal drückt sich der Enthusiasmus dieser Leute auch einfach nur in aufwendig-perlenbesetzten Acrylnägeln aus – oder in mit Liebesbotschaften verziertem Gebäck.

Akasha Rabut
Eine der Frauen aus dem Motorradclub „The Caramel Curves“

Biker-Chicks: „Wir sind hier und gehen auch nicht weg!“

Die vielleicht besonderste Serie in diesem Fotoband voll saftig-saturierter Mittelformat-Aufnahmen heißt „The Caramel Curves“ – benannt nach einer Gruppe fülliger Frauen, allesamt PoC, in einem Motoradclub. Sie selbst nennen sich „Biker Chicks“. Auf ihren Helmen sind pinke Irokesen aufgeklebt, die spitzen High Heels und den funkelnden Handschmuck tragen sie mit einer Selbstverständlichkeit, als wäre das überhaupt kein Widerspruch zu den wuchtigen Suzukis, die sie mit einem Stolz und einer Anmut manövrieren, die einen für einen Moment vergessen lässt, dass Motorradclubs ja mal eine männerdominierte Szene waren. Die Reifen der Maschinen sind mit farbigem Plastik überzogen, und wenn die „Chicks“ die Reifen auf dem Asphalt durchdrehen, steigen violette Schwaden auf, wie Rauchzeichen, die sagen: „Wir sind hier und gehen auch nicht weg!“

Rabuts Fotoband ist ein hoffnungsvolles, sex- und energiegeladenes Buch, das perfekt in diese Zeit passt, in der man sich nichts sehnlicher wünscht als das: Überfluss, Menschen und ein bisschen Magie.

Akasha Rabut: Death Magick. Abundance, Anthology Editions, 2020, ca. 30 Euro.

Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Samstag am Kiosk oder hier im Abo.