BerlinFünf Filme hatten in diesem Jahr mehr als eine Million Zuschauer in Deutschland. Die Zählung reicht bis zum vergangenen Wochenende, was unfreiwillig zynisch klingt, denn am vergangenen Wochenende waren die Kinos längst wieder eine Weile zu, seit dem 3. November schon. Und sie werden in diesem Jahr auch nicht mehr öffnen. Die sogenannten Lockdown-Lockerungen um die Weihnachtstage beziehen sich nur auf Familienbegegnungen, nicht auf Kulturgenuss in der Öffentlichkeit.

Von den fünf meistgesehenen Filmen ist ein einziger erst nach der Frühjahrs- und Sommer-Corona-Schließung gestartet: Christopher Nolans „Tenet“ (1,64 Millionen). Die anderen vier liefen bereits im Januar und Februar an, als ein Kinobesuch noch so selbstverständlich war wie ... ja, wie was denn? Im Jahr der Beschränkungen ist auch das Vergleichen schwierig geworden.

Aber Vergleiche können das Ausmaß des Dramas für die Filmbranche sichtbar machen. Sie bringt nicht nur Kunst und Unterhaltung zu den Menschen, regt nicht nur zum Träumen an, weckt nicht nur Gefühle und Gedanken. Diese Branche mit all ihren Bereichen von der Produktion (Dreh, Schnitt) über den Verleih (Distribution) bis zu den Kinos (Markt) möchte genauso wirtschaftlich überleben wie die Automobilindustrie, der Tourismus und die Silvesterraketenproduzenten. Sie ist (wie andere Wirtschaftszweige auch) durch die digitale Transformation ohnehin unter Druck, die Kinobesuchszahlen von 2019 waren deutlich schlechter als die von 2009. Aber für 2019 stehen in der Statistik von Inside Kino immerhin 25 Filme mit mehr als einer Million Kinozuschauern, beginnend bei 6,78 Millionen.

All die Mitteilungen über Filmstart-Verschiebungen kann man vergessen

Am letzten Oktober-Wochenende ist der deutsche Oscar-Beitrag „Und morgen die ganze Welt“ deutschlandweit auf die Leinwände gekommen. Wer in der einen Woche keine Zeit dafür fand, hat ihn verpasst. Das Jahr ist gelaufen. All die Mitteilungen über Filmstart-Verschiebungen auf den 3. oder 10. Dezember kann man vergessen. Sämtliche Plakate für den Berlinale-Gewinner von 2020 „There Is No Evil“ („Doch das Böse gibt es nicht“) und andere Filme wurden umsonst geklebt. In der Biografie zahlreicher Filmemacher wird das Jahr 2019 ein Einbruch bleiben, wenn es denn eine Erholung gibt.

Und wohl bleibt das Positive?, fragen Sie jetzt mit Erich Kästner. Da wäre die neu aufgelegte Geldsammel-Kampagne „Fortsetzung folgt!“ auf Startnext.de für die 33 Berliner Programmkinos. Oder die Weihnachtsgeschenkidee, Gutscheine für Kinokarten zu besorgen, einzulösen in besseren Zeiten. Denn, so hat es das Hermann-Rietschel-Institut der Technischen Universität Berlin analysiert: Die Konzentration schädlicher Aerosole im Kinosaal ist ungefährlich klein.