Es ist ihr zweiter Anlauf an die Spitze der Bild am Sonntag, doch 2008, als es um die Nachfolge von Claus Strunz ging, fiel sie mit ihren selbstbewussten Äußerungen zunächst in Ungnade. Das änderte sich wieder an der Seite von Bild-Chef Kai Diekmann. Spätestens, als sie im Duett mit Alfred Draxler während Diekmanns Aufenthalt im Silicon Valley die Bild-Zeitung verantwortete, war klar: Horn nach Diekmanns Rückkehr auf die Stellvertreter-Position zurückzurufen, wäre unfair, zumal sie sich aus Springer-Sicht bei der Entwicklung des Digital-Angebots Bild plus gemeinsam mit Bild.de-Chef Manfred Hart ihre Meriten verdient hat.

Bei Springer zählt inzwischen nur noch Digitales. Dem bisherigen BamS-Chefredakteur Walter Mayer ist diese Welt fremd. Der 54-jährige Österreicher ist ein Geschichtenerzähler, ein Blattmacher, der im Grunde seines Herzens froh war, wenn ihm Diekmann, zugleich Herausgeber von Bild am Sonntag, nicht ins Werk funkte. Horn genießt Diekmanns volles Vertrauen. Bei ihr kann er sich darauf verlassen, dass sie den Mund aufmacht, wenn ihr etwas nicht passt. Unterschwelliges Intrigieren ist ihre Sache nicht.

Die 47-jährige Mutter einer erwachsenen und einer kleinen Tochter ist seit Langem im Geschäft. Sie kennt auch die rauen Seiten. Mit 26 Jahren wurde sie Chefredakteurin der Sexpostille Wochenend aus dem Bauer-Verlag und lernte mit Macho-Sprüchen und Bemerkungen über ihre Arbeit umzugehen. Ihr Förderer Hans-Hermann Tiedje trug dazu bei, dass sie 1998 Chefredakteurin der Hamburger Morgenpost wurde – als Nachfolgerin von Mathias Döpfner, heute Vorstandschef der Axel Springer AG. Doch kaum war der 50. Geburtstag der Mopo gefeiert, verkaufte Gruner + Jahr die Zeitung. Zu Springer holte sie daraufhin der ehemalige Bild-Chef Claus Larass, zu jener Zeit Zeitungsvorstand mit Ambitionen auf den Vorsitz – den dann Döpfner bekam.

Zunächst entwickelte Horn eine Frauenzeitschrift ohne gängige Frauenthemen. Auf den Markt kam Fritz, so der Arbeitstitel, nicht. Schließlich landete sie bei Bild und blieb dort, als Larass-Zögling Diekmann Chefredakteur wurde.

Diekmann nutzte Horn, um Mitarbeiter zu Bild zu holen, die dem gängigen Boulevard-Klischee nicht entsprechen. Auch hörte er auf ihren Ratschlag, wenn Themenvorschläge gar zu frauenfeindlich waren. Sie selbst gilt weder als sonderlich politisch noch sportaffin. Entsprechend holt sie sich für Bild am Sonntag Nicolaus Fest zur Seite. Damit verliert Bild den nächsten führenden Kopf. Zuletzt machte Nikolaus Blome mit seinem Wechsel zum Spiegel von sich reden.

Die verkaufte Auflage der BamS ging im Vorjahresvergleich um 8,1 Prozent auf 1,28 Millionen Exemplare zurück. Der bisweilen kauzige Mayer, der das Blatt fünf Jahre geführt hat, galt lange als Döpfners liebster Chefredakteur. „Walter Mayer hat den Erfolg der Boulevardzeitungen von Axel Springer mit sicherem Gespür für Themen und Geschichten im letzten Jahrzehnt entscheidend mitgeprägt“, sagt Döpfner und ergänzt: „Marion Horn hat sehr zur Modernisierung der Bild-Zeitung beigetragen und sich auch dadurch bestens für ihre neue Aufgabe qualifiziert.“

Mayer verlässt Springer, wohin es ihn zieht, ist unbekannt. In den Neunzigern war er Chef von Tempo und Prinz und später an Franz Josef Wagners Seite bei der Illustrierten Bunte. Offen ist auch, wer bei Bild Horns Posten als Stellvertreter des Chefredakteurs bekommt.