Dem Hundekind kommt eine menschlich gute Idee.
Illustration: Rogé/Kunstanstifter-Verlag

Was wirklich zählt

Ein Postkartenspruch lautet: „Pommes sind frittierte Sonnenstrahlen – und deshalb so wichtig.“ Roger führte lange Zeit das Leben eines nachdenklich umherstreifenden Dackels. Durch drei Kartoffelstäbchen ändert sich alles für ihn. Diese fallen einer Dame aus der Tasche. Roger, auf einer Parkbank sitzend, ruft: „Hundekind, da kommt mir eine menschlich gute Idee!“ Er streicht einen Zirkuswagen an, schält Berge von Kartoffeln und fertig ist: „Rogers Pommesbude“. Seine frittierten Sonnenstrahlen sind bald in der ganzen Stadt berühmt. Doch Roger reicht das nicht. Er reist nach Indien, Kuba und Kenia und wird überall zum Pommeskönig. Als sein Produkt auch an der Wall Street hoch im Kurs steht, könnte Roger glücklich sein. Aber er ist einsam. Bis er „Charlottes Maiskolben-Paradies“ entdeckt. Hinter dem Tresen steht eine sehr attraktive Hundedame. Die Begegnung dieser beiden lässt das großformatige Buch des kanadischen Illustrators Rogé, dessen farbsatten, doch nie knalligen Bilder auch für Erwachsene eine Augenweide sind, in eine Liebesgeschichte münden. Diese wird in reichlich Text erzählt, fein auch zum Vorlesen. Die Botschaft: Pommes sind, wie der Erfolg, eben nicht alles.

Rogé: Rogers Pommesbude. Aus dem Französischen von Anne Thomas. Kunstanstifter, Mannheim 2020. 32 S., 22 Euro

Was in echt dahintersteckt

Über lange Zeit erfolglos sind die drei Ritter, die Leo Timmers’ König losschickt, auf dass sie den Drachen fangen mögen, der ihn um den Schlaf bringt. Bis unter die Zähne bewaffnet und mit – urkomisch anzusehenden – wilden Gesichtern ziehen die drei also los, um dem Ungetüm den Garaus zu machen. Doch wann immer sie eine riesige zackige Silhouette sehen, entpuppt sich das vermeintliche Monster nach dem Umblättern als Ansammlung meist sehr müder Tiere. Ein Haufen rosafarbener Hasen schläft in einem Karottenberg, Vögel in allen Farben schlummern in einem Baum, nur die Eule wacht. Die Bären haben sich so eng aneinandergekuschelt, dass man gar nicht erkennen kann, wo ein Bär aufhört und der nächste anfängt. Und der echte? Der taucht am Ende tatsächlich noch auf. Er hat aber so schwere Lider, dass kein Auge offen bleibt. Nicht nur deswegen ist „Wo steckt der Drache?“ ein fabelhaftes Einschlafbuch. Auch der durchweg gereimte Text hat eine herrlich beruhigende Wirkung. Einzig im Weg stehen könnte der Nachtruhe, siehe oben, die nicht nachlassende Witzigkeit der drei Ritter. Zum Glück zeigt das letzte Bild einen tief schlafenden Drachen. Der sieht so selig aus, dass man es ihm gleich nachtun will.

Leo Timmers: Wo steckt der Drache? Aus dem Niederländischen von Eva Schweikart. Arcari, Zürich 2020. 40 S., 14 Euro