Berlin - Warum sind Sie nach Los Angeles gezogen?

Bill Kaulitz: Weil wir an einen Punkt gekommen sind, wo uns alles zu viel geworden ist. Wir brauchten dringend Abstand von dem ganzen Tokio-Hotel-Wahnsinn. Um endlich mal herauszufinden, was wir wirklich vom Leben erwarten. Dafür mussten wir unsere Karriere für eine Weile hinten anstellen und unseren Kopf freimachen.

Haben Sie in Kalifornien tatsächlich die Anonymität gefunden, nach der Sie sich gesehnt haben?

Bill Kaulitz: Ja. Anfangs sind wir gar nicht richtig nach Los Angeles reingezogen, sondern haben ein bisschen außerhalb gewohnt. So konnten wir komplett abtauchen. Zumal wir zuerst total oft zuhause waren und kaum auf die Straße gegangen sind.

Tom Kaulitz: Wir werden hier sehr viel weniger angestarrt als in Deutschland. Wobei das Erkanntwerden auch nicht unbedingt das Problem ist.

Bill Kaulitz: Genau. Richtig schlimm wird es, wenn die Leute vor dem Tor stehen oder einem sogar hinterherfahren. Das ging ja teilweise schon in etwas Krankhaftes über. In den USA sind wir mit so etwas nicht mehr konfrontiert.

Es besteht also keine Gefahr, dass Sie so abrutschen wie Britney Spears?

Bill Kaulitz: Jeder Mensch geht doch mal durch Krisen – das lässt sich nicht vermeiden. Er stellt sich selber oder seine Karriere infrage. Man muss nur versuchen, das aus der Öffentlichkeit rauszuhalten, sonst machen die Medien gleich ein Riesending daraus. Wir hatten uns jedenfalls nicht ohne Grund völlig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Wenn wir jetzt wieder richtig durchstarten, kann es durchaus passieren, dass ich in eineinhalb Jahren sage: „Ich kann nicht mehr. Ich brauche wieder eine Auszeit.“

Rein theoretisch könnten Sie die Band dann auflösen. Oder wären Sie für die Normalität nicht geschaffen?

Bill Kaulitz: Ich kann weder mit noch ohne den Ruhm besonders gut leben. Einerseits liebe ich es, auf der Bühne zu stehen und Musik zu machen. Andererseits tue ich mich schwer damit, kein Privatleben zu haben. Es gibt also schon Momente, in denen ich unseren Erfolg verfluche. Aber Tokio Hotel ist die Liebe meines Lebens.