Ein kleines Denkmal für die Pop-Ewigkeit hat Bob Dylan ihm bereits 2009 errichtet. In dem Stück „I Feel a Chance Coming On“ bringt der Großmeister des Folksongs seinen Kollegen Billy Joe Shaver in einen unmittelbaren Zusammenhang mit der eigenen Songschreiberei. „I’m listening to Billy Joe Shaver“, heißt es darin, „I’m reading James Joyce/Some people tell me/I’ve got blood of the land in my voice.“

Eine einschlägige Zeile, ein bisschen blickt Dylan darin auf die quälenden Begleiterscheinungen zurück, früh zu einer Legende geworden zu sein. Deutlich wird in den Zeilen aber auch die tiefe Verehrung, die er dem 1939 im texanischen Corsicana geborenen Billy Joe Shaver zollt. Keinen Zweifel jedenfalls lässt er an der existenziellen Not und Leidenschaft aufkommen, aus der Shaver seine bodenständig-direkten Kompositionen gewann.

Als dieser 1973 sein erstes Album herausbrachte, hatte Dylan bereits mehrere musikalische Häutungen hinter sich. Shaver hingegen war allenfalls einer kleinen Gemeinde von Country-Fans ein Begriff. Das änderte sich auch nicht mit dem Debütalbum „Old Five and Dimers“, das im inneren Zirkel der Musikerszene seine Wirkung allerdings nicht verfehlte. Waylon Jennings spielte nun Shaver-Songs, und Elvis Presley coverte „You Asked Me To“, später griffen auch Johny Cash, Kris Kristofferson und Emmylou Harris zu.

In den einfach strukturierten Liedern fanden sie eine lebensnahe Direktheit, gekoppelt mit einem abgründigen Humor, der sich in sogenannten Hooklines zeigte, lyrischen Widerhaken, die den vorausgegangenen Sinn einer Liedzeile in ihr Gegenteil verkehren. Die Mutter, singt er in einem seiner größten Hits „Georgia On A Fast Train“, habe ihn bereits kurz vor seiner Geburt verlassen.

Billy Joe Shavers turbulente Biografie passt nicht in einen kurzen Country-Song. Nach der Schule arbeitete er einige Zeit als Baumwollpflücker, und mit 17 schrieb er sich bei der US-Navy ein. Als er vorübergehend sein Geld als Rodeo-Reiter verdiente, lernte er die junge Brenda Joyce Tindell kennen, die Shaver nach zwei Scheidungen noch ein drittes Mal heiratete. Ansonsten war sein Leben wenig rekordverdächtig, von der rechten Hand verlor er zwei Finger bei der Arbeit an einer elektrischen Säge. Schmerz war auch das Thema vieler seiner Songs.

Ein Hauch von Ruhm ereilte Billy Joe Shaver erst 2006, nachdem er in die „Texas Music Hall of Fame“ aufgenommen worden war. Kurz darauf erhielt er eine Grammy-Nominierung für sein Gospel-Album „Everybody’s Brother“. Shaver hatte Dutzende von Liedern über die Niederungen des Lebens gesungen; Johnny Cash gestand, ein Shaver-Song habe ihm über die Qualen eines Alkoholentzugs hinweggeholfen. Als Außenseiter, der Lieder über Außenseiter singt, hat Billy Joe Shaver die Anerkennung seiner großen Kollegen aber durchaus zu schätzen gewusst. Am Mittwoch ist er im Alter von 81 Jahren in Waco, Texas, gestorben.