In Schanghai muss man etwas suchen, aber dann findet man das Bettenhaus des Huadong Hospitals. Ein nüchterner Bau, der trotz vieler Umbauten noch ahnen lässt – jedenfalls, wenn man einmal die historischen Fotos aus den 1930er-Jahren gesehen hat –, was für eine Sensation er einst gewesen sein muss mit seinen langen Veranden, den kräftigen Ecktürmen, den zarten geometrischen Dekors, die an das amerikanisch-britische Art Deco erinnern. Ein Bau, der zeigt, wie kraftvoll die Klassische Moderne Europas in diesen Jahren sogar bis nach Ostasien wirkte. Entworfen wurde das einstige Schwesternheim von Rudolf Hamburger, einem Deutschen, der seit 1930 als Architekt der Internationalen Konzession arbeitete.

Das hochdramatische Leben dieses eigentlich eher durchschnittlichen Mannes hat nun der Berliner Architekturhistoriker und China-Kenner Eduard Kögel in einem aus Archiven, Nachlässen, eigenen China-Erfahrungen und der Literatur geschöpften Band rekonstruiert. Hamburger nämlich war nicht nur Baufachmann. Er arbeitete zugleich, angetrieben von seiner 1929 in Berlin geheirateten Frau Ursula Kuczynski – als „Ruth Werner“ wurde sie viel später berühmt als „beste Spionin Stalins“ - für den sowjetischen Geheimdienst.

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