Sehr gut! Das Theater Dortmund hebt die Mindestgage seiner Schauspieler auf monatlich 2400 Euro brutto an. Tariflich vereinbart sind seit April 2000 Euro, davor waren es – mitschreiben! – 1850 Euro, vor 1. Januar 2017 1765 Euro und ein paar Jahre davor überhaupt nur 1600 Euro. Alles brutto und für eine weit mehr als 40-Stunden-Woche, Abend- und Sonntagsarbeit Voraussetzung.

Natürlich verdienen Schauspieler oft mehr als nur das Minimum. Aber nicht überall, und das sind ja keine Lehrlinge sondern Hochschulabsolventen. Das Schauspiel Köln und das Theater Heilbronn haben ihre Einstiegsgage schon im Juni 2017 auf 2300 Euro erhöht, Dortmund legt noch was drauf, wer bietet mehr?

Diese individuellen Erhöhungen, die die Jungschauspieler (okay, in Dortmund gerade nicht mehr) trotzdem noch schlechter dastehen lassen als Ungelernte im öffentlichen Dienst, sind in den jeweiligen Städten vermutlich das Ergebnis eines zähen Ringens mit der Stadtverwaltung. Nochmal: sehr gut! Da ist definitiv etwas in Bewegung gekommen, seit in einer kleinen Küche in Oldenburg zwei am Theater schlecht verdienende, erschöpfte Frauen im Februar 2015 gesagt haben: Jetzt reicht’s!

Es geht um Lebensverträglichkeit

Keine eineinhalb Jahre später hatten die Schauspielerin Lisa Jopt und die Regisseurin Johanna Lücke genügend Mitstreiter gefunden, um in Berlin das Ensemble-Netzwerk zu gründen und seither in Gesprächen mit Intendanten und Politikern den Veränderungsprozess an öffentlichen Theatern vor sich her zu treiben. Nicht hin zu einem Luxus, sondern hin zu einer Lebensverträglichkeit.

Wobei es ja nicht nur um das Geld geht. Dass die beiden damals in Oldenburg gesagt haben: Jetzt reicht’s! und die Mühe der folgenden Auseinandersetzungen nicht gescheut haben, inspiriert ja zu Veränderungen auf allen Ebenen. Was war es nochmal, das Sie dringend ändern wollten, wenn Sie nur könnten? Reicht es? Meistens reicht es. Und los!