Blaue Pferde, gelbe Kühe, weiße Katzen

Vor 140 Jahren kam in München der Maler Franz Marc zur Welt, Mitbegründer der legendären Expressionistengruppe "Der blaue Reiter". Für die Nazis war er ein "Entarteter", sein Hauptwerk  bleibt bis heute verschollen.

Verschollen seit Kriegsende 1945; Verhökert? Gestohlen? Verbrannt?: Franz Marcs "Der Turm der blauen Pferde". In der Münchner Pinakothek der Moderne hängt zum Glück noch eine Grafik mit dem gleichen Motiv, die 1913 parallel zum BIld entstand.
Verschollen seit Kriegsende 1945; Verhökert? Gestohlen? Verbrannt?: Franz Marcs "Der Turm der blauen Pferde". In der Münchner Pinakothek der Moderne hängt zum Glück noch eine Grafik mit dem gleichen Motiv, die 1913 parallel zum BIld entstand.Imago Images

Der Maler Franz Marc liebte über alles die Farbe Blau. Und Pferde. Zusammen mit seinem Kollegen und Freund Wassily Kandinsky gründete er 1911 in München die legendäre Expressionistengruppe Der Blaue Reiter und den gleichnamigen programmatischen Almanach.

Museen, die sich heute glücklich schätzen können, die raren Bilder des im Ersten Weltkrieg schon früh gefallenen Marc zu besitzen oder als Dauerleihgaben zeigen zu können, werden am Sonnabend des Malers 140. Geburtstag gedenken. Und wenn möglich seinen verbliebenen Gemälden – die Nazi-Aktion „Entartete Kunst“ hat den Nachlass gravierend dezimiert – besondere Beachtung verschaffen. Das Münchner Lenbachhaus etwa. Und die Pinakothek der Moderne kann unter anderem das einzige grafische Blatt dieses Sohnes der Stadt zum seit 1945 mysteriös verschollenen Gemälde „Turm der blauen Pferde“ aufbieten (die Causa ist inzwischen Gegenstand eines Krimis von Bernhard Jaumann).


In der Stiftung Moritzburg Halle sind dank der Privatsammlung Kracht, mit der Verluste durch die NS-Feme etwas wettgemacht wurden, Phantasmagorien Marcs zum geheimen Leben der Tiere zu sehen. Expressiv, zugleich poetisch, fast unwirklich märchenhaft sind die gelben Kühe und der schwarz-weiße Holzschnitt der „Geburt der Wölfe“.

Berlin muss passen

Schade, dass Berlins Neue Nationalgalerie passen muss. Das Museum könnte zum Anlass Marcs wunderbare „Drei Pferde“ von 1913, eine private Dauerleihgabe, zeigen. Aber das Bild ist im Depot. Der Mies van der Rohe-Bau ist eine Baustelle und für den Neubau der Galerie der Moderne braucht es noch Jahre. Irgendwann aber werden wir auch das kostbare kleine Bild mit den ruhenden roten, dem den Kopf wach reckenden gelben und dem blauschwarzen Holzpferdchen an der Nationalgalerie-Wand wiedersehen.

Gerade dieses Motiv offenbart gewissermaßen eine Grenzsituation zwischen innerer Natur und geistiger Transzendenz. Auch etwas Seherisches: Der Maler, 1916 in der menschengemachten Hölle vor Verdun umgekommen, offenbarte in den Tiersymbolen seine „Weltanschauung“, in der Art des traurigen Sprichworts:"Seit ich die Menschen kenne, liebe ich die TIere".

Marc sieht den Menschen in seinem Wahn als größten aller Schrecken. Die Tiere, vor allem die Pferde, waren ihm Sinnbilder der Versöhnung von Geist und Materie, vom Einklang der Schöpfung. Die Utopie einer paradiesischen Welt - das ist so aktuell wie eh.