Dass sie so leidenschaftlich gerne ins Kino geht, irritiert immer wieder Menschen. Eine Blinde zwischen all den popkornkauenden Zuschauern im Plüschsessel, die auf die Leinwand starren? Ein Taxifahrer hat Barbara Fickert einmal gefragt, ob sie nur spielt. Ob sie womöglich nur vorgibt, nichts sehen zu können. Anders konnte er sich nicht helfen. Denn einen Fahrgast mit Blindenstock ins Kino zu bringen, das erschien ihm absurd.

Barbara Fickert ist Mitte 50, lebt in Berlin und ist von Geburt an hochgradig sehbehindert. Und sie liebt das Kino – schon seit Kindertagen. Sie schätzt die Atmosphäre und die Akustik im Saal, seitdem ihre Eltern sie das erste Mal mit ins Kino nahmen. Damals hat Barbara Fickert sich den Inhalt der Filme anhand der Dialoge der Schauspieler erschlossen. Das klappte mal mehr, mal weniger gut. Es war exrem abhängig davon, wie viel die Darsteller sprachen. Vieles, was Sehende wahrnehmen, auch wenn es unerwähnt bleibt, ging jedoch verloren: Blicke, Gesten, Handlungen, Perspektiven. Lange Einstellungen eines Sonnenuntergangs sind nun mal ziemlich öde für jemanden, der Rosa, Lila oder Orange nicht wahrnehmen kann und dem niemand erklärt, was es dramaturgisch damit auf sich hat.

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