Früher war Blochin (Jürgen Vogel) ein eigenwilliger Polizist. Inzwischen dient er nicht mehr den Bürgern, sondern nur noch sich selbst. In der Karibik stellt er der Geliebten (Jasna Fritzi Bauer) des Russenkillers Kyrill (Alexander Scheer) nach, ertränkt sie fast im Pool und verschleppt sie dann unter Drogen im Flugzeug nach Berlin in eine alte Fabrik. Eigentlich hatte Blochin vor vier Jahren versprochen, er werde den Mann, der seine kleine Tochter erschossen hat, büßen lassen.

Damals hatte das ZDF einen Versuch in horizontalem Erzählen unternommen und die durchgängig erzählte Reihe an drei Tagen hintereinander ausgestrahlt. Trotz der prominenten Besetzung waren weder Kritiker noch Publikum von dem ausschweifenden Politthriller um korrupte Polizisten, brutale Drogenhändler und russische Waffenschieber allzu begeistert: Im Schnitt hatten die Episoden nur rund drei Millionen Zuschauer. Statt einer geplanten zweiten Staffel schiebt das ZDF nun das Finale nach, das zusammen mit den ersten fünf Kapiteln auch in der Mediathek abrufbar ist. Dass die Ausstrahlung des neuen Stücks erst um 22.15 Uhr angesetzt ist, zur Primetime aber eine Wiederholung läuft, deutet an, wie viel die ZDF Programmplaner dem Finale zutrauen.

Eine Gewaltspirale

Anders als bei ersten fünf Teilen arbeitet Autor und Regisseur Matthias Glasner diesmal mit Rückblenden, die beschreiben, wie bei einer Schießerei die entführte Gangsterbraut erschossen und eine Polizistin schwer verletzt wurde. Blochin und sein Schwager Dominik (Thomas Heinze) werden wegen der Schüsse von Kriminalisten verhört. Vor allem aber will der Film wohl vorführen, wie sinnlos der scheinbar endlose Kreislauf von Rache und Vergeltung ist, auf den sich Blochin hier eingelassen hat. Deshalb zeigt der Krimi diverse Duelle: Nachdem Blochin Kyrills Freundin entführt hat, nimmt sich dieser erst Blochins Ex-Frau Inka (Maja Schöne) und dann dessen Geliebte Conchita (Carol Schuler) vor.

 Ein „Fegefeuer“ nennt Polizisten-Schwager Dominik, der keine Hemmungen hat, missliebige Zeugen zu erschießen, diese Gewaltspirale. Auch der politische Hintergrund wird in düsteren Farben gezeichnet. So gibt hier selbst ein Minister der Demokratie keine Chance mehr und beschwört eine neue Weltordnung, in der sich der Stärkere durchsetze.

Der atmosphärische Grundton des Finales wird geprägt von einem Dauerregen, der fast die gesamten 110 Minuten über anhält und einem schwer aufs Gemüt schlagen kann. Noch anstrengender aber ist der rüde Ton, bei dem auch die Berliner Polizisten miteinander reden, als seien sie Neuköllner Gangsterrapper. Nicht nur anstrengend, sondern ärgerlich sind die Klischees von Russen, die hier mal wieder als Quell alles Dunklen und Bösen herhalten müssen. Schauspieler wie Rainer Bock (Schukschin) und Alexander Scheer müssen hier Dialoge mit „schwärem“ russischen Akzent aufsagen: „Ich überlägge, deine Frau am Läbben zu lassen!“

Dass im Familiendrama rings um Schukschin, Kyrill und Blochin, dessen Pointe der Zuschauer schon früh erahnt, weder hinten noch vorn etwas zusammenpasst, fällt schließlich gar nicht mehr ins Gewicht.

Blochin: Das letzte Kapitel, 05.08.2019, 22.15 Uhr, ZDF, alle sechs Filme in der ZDF Mediathek.