Caroline Rosales, 31, hatte eine Studie des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) gelesen, in der es um Parabene ging. Das sind hormonell wirksame Chemikalien, die Krebs auslösen, unfruchtbar machen und andere unschöne Nebenwirkungen haben können. Parabene sind in Johnson & Johnsons Penatencreme enthalten, die Rosales nach der Geburt ihres Sohnes Maxime vor 18 Monaten benutzte. Noch im Krankenhaus hatte sie ein Penatenprobierset bekommen. „Schweinerei“, dachte sich Rosales, als sie von den Parabenen hörte – und wurde zum David.

Nun ist es in Zeiten des Internets so, dass ein David eine ziemlich laute Stimme haben kann, zum Beispiel über Change.org, eine Plattform, auf der man Petitionen zu allen möglichen Anliegen stellen kann. Caroline Rosales ist zudem nicht nur Mutter, sondern auch Buchautorin, Bloggerin und Journalistin. So eine weiß, wie man sich wehren kann. Vor ein paar Monaten erst hatte sie auf der Plattform schon einmal Unterschriften gesammelt, gegen die Süßigkeiten, die an der Kasse des Supermarktes, in dem sie einkauft, ausliegen. „Quengelware“ nennt sie die. 700 Menschen unterschrieben. Der Supermarkt hat jetzt eine Kasse, an der nur Gesundes steht. „Da habe ich gemerkt“, sagt Rosales, „dass man sich wehren kann.“

Darum, sagt sie, geht es ihr: „Ich habe eine Grundwut gegen große Konzerne, die auf Kosten kleiner Verbraucher viel Geld verdienen.“ Das ist das eine. Dann ist da aber noch dieses Klischee von den Muttis, die man leicht für blöd verkaufen kann. Rosales wohnt in Prenzlauer Berg, über die Mütter dort wird viel gelästert. Als sie schwanger wurde, schrieb sie mit ihrer Freundin Lisa Harmann ein Buch übers Mutter-Werden. Aus dem Projekt wurde ein Blog über das Leben mit Kind. So gesehen ist Rosales eine Art Sprachrohr einer jungen, selbstbewussten Muttergeneration geworden.

In ihrem Buch spottete Rosales noch über die Mütter, die alles perfekt machen wollen, die ihre Umwelt terrorisieren mit Fragen wie: „Gibt es da nicht eine Studie, die giftiges Arsen in Baby-Federkernmatratzen nachgewiesen hat? Und gehören diese deshalb nicht vom Markt?“ Man könnte Rosales nun vorhalten, selbst eine von diesen Helikop- ter-Müttern, wie der Pädagoge Josef Kraus sie nennt, geworden zu sein. Rosales sagt: „Ich sehe mein Engagement politisch.“

Binnen einer Woche unterschrieben 25 000 Menschen die Petition, die Rosales und BUND online gestellt hatte. Vergangenen Freitag schrieb Johnson & Johnson auf seiner Facebook-Seite, die Menge der in Penatencreme enthaltenen Parabene sei unbedenklich. Man werde aber künftig auf den Zusatz verzichten, das sei schon seit längerer Zeit geplant. Caroline Rosales hat inzwischen ihr nächstes Buch geschrieben. Es heißt: „Mama muss die Welt retten“.