Der ZDF-Intendant Thomas Bellut mag die Pläne zur Verlängerung der ARD-„Tagesthemen“ nicht unwidersprochen lassen.
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Berlin - Es ist nicht so, dass der ZDF-Intendant den ARD-Programmdirektor nicht schätzen würde: Im jüngsten Schreiben von Thomas Bellut an Volker Herres hat der ZDF-Mann hinter der formal korrekten Anrede „Lieber Herr Herres“ handschriftlich „lieber Volker“ eingefügt. Aber in der Sache ist der Chef des Zweiten knallhart: „Das ZDF kann der ARD-Planung auf 30 Minuten verlängerter ‚Tagesthemen‘ am Freitag ab 21.45 Uhr nicht zustimmen“, schreibt Bellut.

Wie berichtet, hatten die ARD-Intendanten auf ihrer Tagung am 11. und 12. Februar in Köln beschlossen, die Freitagausgabe der „Tagesthemen“ um eine Viertelstunde auf 30 Minuten zu verlängern. Die Änderung soll im April in Kraft treten.

Was macht das Publikum?

Für das ZDF ergibt sich jedoch das Problem, dass sich die Nachrichtensendung der Kollegen aus der ARD dann um 15 Minuten mit ihrem „heute-journal“ überschneiden würde. Und das mag Bellut nicht widerspruchslos hinnehmen. Eine solche Überlappung hätten beide Sender bisher „aus gutem Grund nahezu durchgängig vermieden“, schreibt der ZDF-Intendant. Sie werde „die Angebote von ARD und ZDF schwächen“.

Das sieht man beim öffentlich-rechtlichen Wettbewerber komplett anders: „Das ‚heute-journal‘ wird dadurch nicht an Zuspruch verlieren“, teilt eine ARD-Sprecherin auf Anfrage mit. „Krimifans werden dem ZDF am Freitagabend treu bleiben und das Publikum im Ersten vom erweiterten Angebot profitieren.“

Doch für Thomas Bellut ist die Sache damit keineswegs erledigt: Er verweist auf Paragraph 2 des ZDF- und auf Paragraph 3 des ARD-Staatsvertrags. Dort sei festgelegt, dass beide Sender „sich bei Änderungen des Programmschemas um Einvernehmen bemühen“ müssten. Auf Nachrichtensendungen sei gar „besondere Rücksicht zu nehmen“. Der ARD-Plan tangiere diese „Bestimmung“ und widerspreche „ihr in der Sache“.

Unter keinem guten Stern

Zuletzt war die ARD 2005 mit dem ZDF in einem vergleichbaren Fall aneinandergeraten. Auch damals ging es um eine – allerdings deutlich umfassendere – Änderung des Programmschemas des Ersten am Freitagabend. Bellut, seinerzeit noch ZDF-Programmdirektor, sprach angesichts der damaligen ARD-Pläne von einer „Kampfprogrammierung“. Erst nach einem Spitzengespräch des ZDF-Intendanten mit dem ARD-Vorsitzenden und dem ARD-Programmdirektor wurde der Konflikt beigelegt.

Zu einem solchen Gipfeltreffen könnte es auch jetzt kommen. Sollte auch das zu nichts führen, müssten wohl die Bundesländer, die ARD und ZDF beaufsichtigen, ein Machtwort sprechen. So oder so: Die Frage ist, ob sich der Termin April für die geplante Verlängerung der Freitagsausgabe der „Tagesthemen“ nach Belluts Protest halten lässt. Offenbar steht der Plan der ARD-Intendanten, der Nachrichtensendung mehr Minuten zu gönnen, generell unter keinem guten Stern.

Ursprünglich wollten sie auch deren von Montag bis Donnerstag ausgestrahlte Ausgaben verlängern – wenn auch nur um fünf Minuten, um mehr Platz für Berichte aus den Regionen zu schaffen. Doch dagegen wehrte sich Programmdirektor Volker Herres, der sich um die Einschaltquoten der nachfolgenden Sendungen sorgte. Nun wird geprüft, ob diese Sorgen berechtigt sind.