Bluesikone Joanne Shaw Taylor mit Poprocksound

Sie zählt zu den beliebtesten Bluesmusikerinnen der Gegenwart. Auf ihrem neuen Album gibt Joanne Shaw Taylor aber weniger Blues und dafür mehr Poprock zum Be...

HANDOUT - Das Cover des Albums «Nobody's Fool»  der britischen Bluesrock-Gitarristin Joanne Shaw Taylor.   Trade/dpa
HANDOUT - Das Cover des Albums «Nobody's Fool» der britischen Bluesrock-Gitarristin Joanne Shaw Taylor. Trade/dpaChris Wilson/Ktba Records/Rough

London-Joanne Shaw Taylor war gerade mal 16 Jahre alt, als sie von Eurythmics-Mastermind Dave Stewart entdeckt wurde. Die Britin aus den West Midlands ist nicht nur mit einer kräftigen Soulstimme gesegnet, sondern Taylor ist auch eine versierte Gitarristin. Nun veröffentlicht die bisher auf zeitgemäßen Blues spezialisierte Musikerin bereits ihr neuntes Studioalbum - und begibt sich dabei teilweise auf neues Terrain. „Nobody's Fool“ erscheint jetzt auf Vinyl-Schallplatte.

Nachdem sie zuletzt ein ganzes Album mit Blues-Coverversionen veröffentlicht hat, liefert die 37-Jährige auf „Nobody's Fool“ einen etwas breiteren Sound, den man als zeitlosen Gitarrenpop bezeichnen kann. Da sind auch mal markante Synthie-Klänge erlaubt. Es sind radiotaugliche, aber immer noch erdige Songs mit Rock'n'Roll-Attitüde - mal launig-poppig („Nobody's Fool“, „New Love“), mal bluesig („Bad Blood“, „Then There's You“) und mal rasant mit kräftigen Gitarrenriffs („Figure It Out“). Einige Ohrwürmer sind darunter.

Taylor hat interessante Gäste auf ihrem Album. Cellistin Tina Guo, die auf Soundtracks von Filmkomponist Hans Zimmer („Inception“) Dauergast ist und auch bei Zimmers Konzerten mit ihm auf der Bühne steht, gibt der Ballade „Fade Away“ etwas Schwermütiges. Auf „Won't Get Fooled Again“, einem sommerlichen Popsong mit 80er-Jahre-Feeling (und nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Klassiker von The Who), gastiert Joe Bonamassa. Der Gitarrengott, der hier nur in die Saiten greift und nicht singt, ist gemeinsam mit Blues-Ikone Josh Smith auch Co-Produzent des Albums.

Taylors Entdecker Stewart ist ebenfalls an Bord, und das sogar mit einem Eurythmics-Song. Als die Single „Missionary Man“ im Jahr 1986 ursprünglich veröffentlicht wurde, war Taylor gerade mal ein Jahr alt. Annie Lennox sang den Song damals mit ihrer üblichen androgynen Eurythmics-Coolness, Joanne Shaw Taylor singt ihn jetzt mit viel Soul in der Stimme, und statt Mundharmonika-Solo krächzt die Slide-Gitarre - eine gelungene Coverversion.

„Nobody's Fool“, das in Los Angeles aufgenommen wurde, lebt wie die Vorgängeralben von Joanne Shaw Taylors markanter Stimme. Die Gitarre kommt an zweiter Stelle. Der Trick des Albums ist, dass die Sängerin, Gitarristin und Songwriterin ihre Songs für ein breiteres Publikum reizvoll macht, ohne sich von ihrer bluesaffinen Fangemeinde zu weit zu entfernen. So mitreißend, wie die Britin bei ihren Konzerten auf der Bühne rüberkommt, kann aber auch dieses Album nicht sein.