Bob Dylan, bei einem Live-Auftritt im Jahre 2012.
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New YorkIst er doch noch die Stimme des anderen Amerikas? In einem am Freitag veröffentlichtem Interview mit der New York Times hat der 79-jährige Literaturnobelpreisträger Bob Dylan, der sich nur selten öffentlich äußert, auch über den gewaltsamen Tod des Afro-Amerikaners George Floyd gesprochen. Er sei davon angewidert gewesen, wie Floyd durch Polizeigewalt zu Tode gefoltert worden sei: „It sickend me no end to see George tortured to death like that. It was beyond ugly.“ Er hoffe, so Dylan, dass es schnell Gerechtigkeit für die Familie von Floyd und für die Nation geben werde.

Bob Dylan stammt aus Minnesota, in Minneapolis, der Metropole des US-Staates, wo George Floyd von Polizisten getötet worden war, hat er im Rahmen seiner Never-Ending-Tour in den vergangenen Jahren immer wieder Station gemacht, oft mehrere Tage hintereinander.

Gerechtigkeit für die Nation – das war in den frühen 60er-Jahren eins großen Themen des Sängers, der für kurze Zeit als musikalischer Hoffnungsträger der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung galt. Dylan aber zog es vor, lieber keiner Bewegung anzugehören. Während dem Songschreiber die Worte und Sinnsentenzen nur so aus dem Mund zu purzeln schienen, verstummte er als politischer Propagandist – eine Rolle, die ihm über bald 60 Jahre angedichtet und hinterher getragen worden war.

Wenn er es für richtig hielt, wurde er in seinen Liedern jedoch unmissverständlich direkt. In „Hurricane“, ein Stück über den zu Unrecht inhaftierten Boxer Rubin Carter, singt Dylan, dass man sich, wenn man schwarz sein, zu bestimmten Zeiten lieber nicht auf den Straßen sehen lassen solle, wenn man nicht in Gefahr geraten wolle.

Im Interview mit der New York Times spricht Dylan auch über den Tod, nicht unbedingt über den bevorstehenden eigenen, sondern vielmehr den der Menschheit. Er wehrt sich allerdings vehement gegen den Eindruck, in der Vergangenheit zu leben. Am kommenden Freitag erscheint sein neues Album „Rough and Rowdy Ways“, das 39. insgesamt und das erste mit neuen Songs seit acht Jahren.