Obwohl im ersten Herbst nach dem Krieg das Sterben noch nicht aufgehört hat, kommt es im Militärhospital in Leningrad oft zu Ausbrüchen von Heiterkeit. Die Kriegsversehrten und ihre Pflegerinnen muntern einander mit Scherzen auf. Die Pantomime, bei der Tiere erraten werden sollen, erntet schallendes Gelächter. Auch ein Querschnittsgelähmter zeigt sich in bester Stimmung, als der Stationsarzt ihn untersucht.

Diese Ausgelassenheit ist weder vorgetäuscht noch trotzig. Sie stillt einen Hunger der Überlebenden; erst spät schlägt sie für einen Moment in Hysterie um. Kantemir Balagov beschwört diesen Ort, an dem weiterhin Blut aus Wunden fließt, nicht als Idyll, sondern betrachtet ihn als Parenthese vor der bangen Rückkehr ins zivile Leben. Das warme Licht, in die Ksenia Seredas Kamera die Szenerie taucht, beschönigt Schmerz, Leid und Entbehrung nicht. Vielmehr umfängt es tröstend die Figuren. Es durchbricht das Dunkel.

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