Berlin - Wenn man Bonaventure Soh Bejeng Ndikung beim Sprechen über Kunst zuhört, kann es einem widerfahren, dass der schöne Klang seiner Worte den eben noch sicher geglaubten Gedanken entführt. Das hat wohl auch damit zu tun, dass Bonaventure Soh Bejeng Ndikung nicht nur mit allen kunsttheoretischen Wassern gewaschen ist, sondern zunächst in Berlin Lebensmittelbiotechnologie studiert hat. Seine Überlegungen zur Kunst speist er in einem buchstäblichen Sinn aus sehr verschiedenen Wissensgebieten.

Kaum jemand hat die deutsche Kulturwelt in den vergangenen Jahren so sehr beeindruckt wie der 1977 in Yaoundé in Kamerun geborene Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, der nun als neuer Intendant des Hauses der Kulturen der Welt (HKW) benannt worden ist. Er wird das Amt im Januar 2023 von Bernd M. Scherer übernehmen, der dann in Pension geht.

Sein Einfallsreichtum und seine Umtriebigkeit haben Bonaventure Soh Bejeng Ndikung zu einem begehrten Kurator und Ausstellungsmacher werden lassen, in der Bestenliste der Kunstzeitschrift Monopol, mit der das Blatt nicht zuletzt mit einem Augenzwinkern auf die kommenden Stars der Branche verweisen möchte, war Bonaventure Soh Bejeng Ndikung wiederholt auf den vorderen Plätzen zu finden.

Auch wenn er gelegentlich als Sonnyboy des Kunstbetriebs präsentiert wird, hat er sich seinen Ruf doch vor allem durch Einfallsreichtum, Neugier sowie eine große Portion Beharrungsvermögen verdient. Erste Spuren in Berlin hat er zunächst in der Galerie Savvy Contemporary hinterlassen, die er 2009 in Neukölln gegründet hat. Der Ortswechsel in den Wedding erfolgte dann nicht zuletzt deshalb, weil die Räume in Neukölln im Winter oft nur schwer zu beheizen waren. Spätestens 2015 aber wurde es warm für den ehrgeizigen Kunstmacher. Alexander Szymczyk engagierte ihn als Curator-at-Large bei der documenta 14 in Athen und Kassel, 2018 war er Gastkurator bei der Dak'Art Biennale in Senegal.

Bonaventure Soh Bejeng Ndikung gilt als bestens vernetzt und teamfähig. Als gefragter Kurator und Kulturmanager sei er ein echter Glücksgriff für das Haus der Kulturen der Welt, sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters am Mittwoch nach der Ernennung. „Mit seinem naturwissenschaftlichen Hintergrund und seiner Leidenschaft für die Kunst ist er geradezu prädestiniert, diese europaweit einzigartige Institution weiterzuentwickeln. Dabei kann er auf dem starken Fundament aufbauen, das Bernd Scherer zusammen mit seinem Team errichtet hat.“

Das Haus der Kulturen der Welt wird sich nach der nun erfolgten Eröffnung des Humboldt-Forums im Berliner Ausstellungs- und Kulturleben zweifellos neu positionieren müssen, und es steht außer Frage, dass Bonaventure Soh Bejeng Ndikung im Bereich der Debatte um Kunst im Zeitalter des Postkolonialismus neue Akzente zu setzen gewillt ist.