- Der ganz große Boom mag vorbei sein, aber Nordic-Noir-Serien (düstere Skandinavienkrimis) erfreuen sich immer noch großer Beliebtheit. Und so ist es vermutlich kein Wunder, dass sich auch die schwedische Serie „Box 21“ – basierend auf dem Roman „Blasse Engel“ des Autoren-Duos Roslung & Hellström – auf das bewährte Erfolgsrezept „brutaler Thriller trifft bittere soziale Realität“ setzt.

Im Zentrum der Geschichte, die von Regisseur Mani Maserrat-Agah und Drehbuchautor Dennis Magnusson auf den Bildschirm gebracht wird, stehen zwei von Rachegedanken getriebene Hauptfiguren: Die Rumänin Lidia (Ioana Ilinca Neacsu) wurde – wie viele andere junge Frauen – als Zwangsprostituierte nach Stockholm gebracht, wo sie heimlich Diebesgut im titelgebenden Schließfach deponiert. Als sie eine entsetzliche Misshandlung durch den Boss ihres Zuhälters (Cristian Bota) nur knapp überlebt, schwört sie noch im Krankenhaus Vergeltung. Unterdessen ist Polizei-Ermittler Ewert Grens (Leonard Terfelt) einem Gangster (Joakim Sällquist) auf der Spur, der nicht nur einem Mafiaboss zuarbeitet, sondern auch Grens’ schwangere Frau überfahren hat, wofür er viel zu kurz ins Gefängnis musste.

Mal wieder extreme Gewalt gegen Frauen 

Es dauert ein wenig, bis diese beiden unterschiedlich interessanten Fälle miteinander verwoben werden und nicht immer bewegt sich der Plot dabei im Rahmen der Glaubwürdigkeit. Das Tempo könnte insgesamt straffer sein, die Schauspielleistungen konsistenter (vor allem Terfelt bleibt reichlich blass), und was die moralischen Dilemmata oder die Gesellschaftskritik im Umgang mit Themen wie Menschenhandel oder Polizeikorruption angeht, wird nicht sonderlich tief geschürft. Immerhin halten die sechs Episoden ausreichend unerwartete Wendungen parat, um wenigstens ein Mindestmaß an Spannung und Sogwirkung zu entwickeln.

Dass es auch in „Box 21“ mal wieder extreme Gewalt gegen Frauen ist, die die Handlung vorantreibt, ist einigermaßen frustrierend. Immerhin wird dem Publikum in den meisten Szenen der direkte Anblick der allerschlimmsten Grausamkeiten erspart. Auf ganz andere Weise unerträglich und kaum verzeihlich ist allerdings die deutsche Synchronisation. Doch an die Klassiker des Genres, von „Wallander“ über die „Millenium“-Trilogie nach Stieg Larsson bis hin zu „Kommissarin Lund“ oder „Die Brücke – Transit in den Tod“, kommt diese düstere und wenig versöhnliche Serie ganz unabhängig davon nicht heran.

Wertung: 2 von 5

Box 21, Serie, 6 Folgen, ab dem 9. Oktober in der ZDF-Mediathek

Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Sonnabend am Kiosk oder hier im Abo.