Manfred Butzmann neben einem Blatt aus seiner beliebten Serie  über das Steinerne Berlin.
Foto: imago images/Rolf Zöllner

Berlin -Sonntag war in Brandenburg Kunstpreistag. Auf Schloss Neuhardenberg wurde vom Ministerpräsidenten Dietmar Woidke der Brandenburgische Kunstpreis verliehen. Manfred Butzmann, der 78-jährige Grafiker, Maler und nimmermüde Aktionist für die Freiheit der Kunst, bekam den Ehrenpreis des Ministerpräsidenten für sein Lebenswerk. Weitere Preisträger sind die Bildhauerin Marguerite Blume-Cardenas, die Grafikerin Carola Kirsch, der Maler Johannes Heisig und der Fotograf Ingar Krauss.

Manfred Butzmann, der vor Jahren aus Berlin-Pankow zurückgezogen war in seine Geburtsstadt Potsdam, begreift sein immenses Œvre vor allem als „Heimatkunde“. Wer in der DDR zur Schule ging, hatte Heimatkunde. Ein seltsames Fach zwischen Stadt, Land, Fluss und Ideologie. Der Demagogie begegnete er mit Kunst, geschult an Vorbildern wie Käthe Kollwitz, Otto Nagel, Arno Mohr und vor allem seinem alten Lehrer Magnus Zeller. Butzmann machte seine eigene „Heimatkunde“.

Zum Ärger der Funktionäre. Die vergalten ihm seine künstlerische Dreistigkeit denn auch reichlich mit Druckverboten; die umging er listig, indem er selber druckte. Seine Plakate zeigen „verschluderte Heimat“. Förmlich schreien die Motive des Aufklärers heraus: Wo alles allen gehört, fühlt sich niemand zuständig. Das Gemeinwesen verkommt! Er zeichnet die vollgemüllten Stadträume, sterbende Bäume, verfallende Häuser. Und er druckte ein Plakat, auf dem ein Spielzeuggewehr im Mülleimer landet.

Butzmann'sche Hasenfahne, mit großer Hoffnung für Grün und Rot im Jahr der deutschen Wiedervereinigung 1990, Plakat im Eigenauftrag
Manfred Butzmann / VG Bildkunst Bonn 2020

Seine „Hasenfahnenfeste“ in der Pankower Parkstraße waren legendär und wurden von der Stasi beäugt. Im Geiste eng verbunden mit „Störenfrieden“ im westdeutschen Kunstbetrieb, mit Joseph Beuys und dessen Hasensymbol, und mit dem aufklärerischen Plakatkünstler Klaus Staeck, bringt Butzmann bis heute die Leute mit Witz und Hintersinn zum Nachdenken. Kunstgeschichte schrieb seine Aquatinta-Serie „Steinernes Berlin“, mit den Grenzmauer-Motiven, den zerschossenen Fassaden und Giebelwänden, mit Tunneln, alten Fabriken, dem Jüdischen Friedhof.

Butzmann hat Berliner und Potsdamer Geschichte festgehalten mit Melancholie, Sarkasmus und Lakonie. Bis heute holt er in seinen Aquatinta-Radierungen, Lithos, Aquarellen und Frottagen Geschichte und Geschichten hervor: Spuren, Zeichen, stumme Zeugen. Was er darstellt, reicht weit über das Abbild hinaus, ist immer kritische Bestandsaufnahme von Heimat, einst und jetzt, ob verschludert oder perfekt durchsaniert. Nach wie vor befragt er in seinen Bildern Begriffe wie Heimatliebe, Humanismus, Kultur, Deutschsein und Demokratie nach ihrer wahren Bedeutung im realen Alltag. Bequemlichkeit  und Dummheit bringen den Bürger Butzmann eben auf. Das muss er einfach stören. Jetzt wird das mit einem Kunstpreis belohnt.