Wenn eine Folge der Reality Show „The Kardashians” als „This is a Life or Death Situation” angekündigt wird – also eine Situation auf Leben oder Tod zu sein scheint – , wird man als geübte Trash-Königin nicht mehr all zu zappelig. Vielleicht hat Supermodel-Schwester Kendall sich wieder beim Gurkenschneiden geschnitten? Die jüngste Folge der neusten Staffel auf Disney+ zeigte sich aber überraschenderweise real.

Vor allem auf Kim Kardashians Versuche einer Gefängnisreform wurde am Donnerstag aufmerksam gemacht, auf ihr Jurastudium und: Gefangene im Todestrakt. Alles ohnehin keine leichte Kost für das Reality-Publikum, das sich gut und gerne eine ganze Sendung mit umherwirbelnden und überschminkenden, Wimpern aufklebenden „Glam Teams“ beschäftigen lassen kann.

Zum Vergleich: In der vergangenen Folge war der größte Aufreger, wie völlig unbedarft Supermodel Kendall Jenner eine Gurke schneidet, Mutti Kris – statt zu helfen – den Koch bittet, ihrer erwachsenen Tochter das grüne Gemüse in Scheibchen zu schneiden. Das Leben als Superreiche, es hat ganz offensichtlich nicht nur Vorteile.

Mit jeder Million mehr auf dem Konto müssen die scheinbar nervigen Dinge des Alltags auf jeden Fall nicht mehr erledigt werden. Kims Team von Köchen und Assistentinnen – früher hätte man Bedienstete gesagt – erledigen den Haushalt, sie hat so mehr Zeit für Law & Order oder besser: Recht und Unrecht.

Denn Kardashian verkauft heute nicht mehr nur hautenge Shapewear und Bauch-Weg-Höschen, die die Kaufenden davon überzeugen soll, dass man nur die richtige Unterwäsche, nie aber chirurgische Hilfe braucht, um Kims Sanduhrfigur zu bekommen. Und viel wichtiger, warum sollte man das 2022 überhaupt noch wollen? Neben dem Modeimperium paukt Kardashian jetzt nicht nur für den Anwältinnen-Beruf, sondern setzt sich öffentlich seit einigen Jahr immer wieder für eine Gefängnisreform ein. Bisher konnte sie über ein Dutzend Menschen aus dem Todestrakt befreien, ja retten.

Kim Kardashian wirbt für Gefängnisreform

Am Donnerstag zeigt „The Kardashians“ aber: Auch Kim Kardashians Macht hat Grenzen. Die Skims-Eigentümerin erzählte vom letzten Telefonat mit dem gleichaltrigen Brandon Bernard, der als 18-Jähriger Ende 2000 unter anderem wegen Mordes und Entführung zum Tode verurteilt worden ist. „Ich habe ihn in letzter Zeit ziemlich gut kennengelernt“, erzählt Kardashian gefasst, „Manchmal können wir es stoppen. Manchmal aber eben nicht.“ Noch in der Sendung sah man, wie die Zweitälteste des Kardashian-Clans auf die Todesnachricht reagierte.

Marcus Padovani
Manus & Maxis Mattscheibe

Unsere neue Kolumne widmet sich den blühenden Fernsehlandschaften von RTL und Co.: Was wird am Lagerfeuer im Dschungelcamp diskutiert? Warum wohnen im „Sommerhaus der Stars“ nur unbekannte Leute? Und wann bekommt Kader Loth eigentlich endlich ihr eigenes Polit-Talk-Format? Im Wechsel besprechen unsere Autorin und unser Autor alles, was in der Trash-Szene gerade gut und wichtig ist.

Diese Woche schreibt Maxi, die als Kind in die britische Monarchie einheiraten wollte, später aber doch überzeugte Republikanerin wurde. Die üppig-feudalen Eheschließungen guckt sie heute schambefreit in Live-Übertragungen. Daneben auch haufenweise andere (vermeintliche) Trash-Formate.

Schon in der Vergangenheit bewies Kim Kardashian, dass sie es mit der Kehrtwende wohl wirklich ernst meint. Ihre Dokumentation „The Justice Project“ aus dem vergangenen Jahr ist durchaus sehenswert.

Am Donnerstag zeigte Disney+ dann aber auch noch – das Publikum giert trotz aller Ernsthaftigkeit ja doch nach positiven Nachrichten –, wie sie Julius Jones, ein anderer Schwarzer Gefangener im Todestrakt, etwa vier Stunden vor seiner geplanten Hinrichtung helfen konnte. Oder, nun ja, seine Strafe wurde geändert: lebenslänglich ohne Bewährung. Auch Jones ist wegen Mordes verurteilt worden, er bestreitet seit zwei Jahrzehnten, die Tat begangenen zu haben.

Bald wieder Drama bei Khloé und Tristan Thompson

Doch auch die aktuelle Folge blieb dem eigentlich Motto der Kardashians – unterhaltsames Drama – treu. Khloé, die hier noch mit ihrem immer mal wieder betrügenden Partner Tristan Thompson turtelt, erzählt dem Publikum, wie sehr dieser sich doch geändert habe: „Uns geht’s gut, wirklich gut. Wir sind gerade wieder zusammen gekommen. Er geht viel zur Therapie, strengt sich einfach sehr an.“ Zu diesem Zeitpunkt hat Tristan sie – zumindest öffentlich – schon zweimal betrogen, einmal als sie hochschwanger war.

Als die beiden gemeinsam sporteln, erzählt Khloé über die ganzen Exfreunde der Kardashians, die die Familie einfach nicht loswerde, auch, weil die Kardashians so loyal seien, das Patchwork-Business einfach gut funktioniere: „Scott wird niemals gehen. Kanye auch nicht“, erzählt sie und guckt den Vater ihres Kindes, mit dem sie nach Trennung zwei ja nun gerade wieder zusammengekommen ist, an. „Und du wirst uns auch nie verlassen.“.

„Nee, nee“, sagt der Profi-Basketballer da grinsend zurück. „Du wirst mich niemals verlassen.“

Was Khloé an dieser Stelle noch nicht, gut-informierte Klatschzeitungslesende aber schon wissen, Tristan hat kurz vor Aufnahme dieses Gesprächs ein Kind gezeugt. Nicht mit Khloé. Es bleibt also spannend.