Am späten Sonntagabend der Schock: Das Nationalmuseum in Rio de Janeiro brennt, eines der bedeutendsten Museen der Welt und Hüter unermesslicher Schätze. Die Aufnahmen aus Brasilien zeigten dann schnell: Hier ist ein Totalverlust zu befürchten. Offenbar fraßen sich die Flammen in kürzester Zeit durch die drei Geschosse mindestens des Hauptbaus. Mit einiger Wahrscheinlichkeit sind damit auch einige der wertvollsten klassizistischen und historistischen Interieurs Südamerikas zerstört worden, die es an künstlerischer Raffinesse ohne weiteres mit zeitgleichen Raumausstattungen in London, Paris, St. Petersburg oder Berlin aufnehmen konnten.

Der São-Cristóvão-Palast war nämlich ein für die brasilianische Staatswerdung im 19. Jahrhundert zentrales Gebäude. Seit 1808 entstand er zuerst als Residenz der portugiesischen Königs Joao VI., der vor Napoleons Truppen mit dem gesamten Hofstaat aus Lissabon erst nach Bahia und dann nach Rio de Janeiro geflohen war. 1815 wurde Brasilien auf dem Wiener Kongress zum gleichberechtigten Teil Portugals erklärt. Joao VI. kehrte aber erst 1821 nach Lissabon zurück, überließ widerwillig Brasilien – und damit seinen Palast – dem ältesten Sohn Pedro I.

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