Manchmal ist es besser, Dinge nicht zu wissen. Es gibt jedenfalls gute Gründe dafür, warum Helen Fieldings dritter Bridget-Jones-Roman („Verrückt nach ihm“) für eine Verfilmung kaum infrage kam. Eine geliebte Hauptfigur einfach ins Jenseits zu befördern, sei großen Werken der Weltliteratur gestattet. Für eine Filmkomödie ist es der Todesstoß. Und so war es eine nachvollziehbare Entscheidung, den dritten Film der Reihe um Bridget Jones, Londons weltbekanntesten Dauersingle, auf Fieldings weniger verfänglichen Zeitungskolumnen zu bauen. Damit hat schließlich alles einmal angefangen. Tun wir einfach, als wäre nichts passiert.

Mit Traumgewicht

In Bridgets Welt bleibt ohnehin immer alles gleich. Die Liebe bietet allerhöchstens temporäres Glück; wie Bridget mit 43 als Single zu leben, ist Unglück. Über diesen lachhaften Konservatismus zu schmunzeln und heimlich mitzuleiden – das ist der Pakt des Films mit dem Publikum. Kleine Fortschritte sind erlaubt. Bridget Jones, vor fünfzehn Jahren als pummelige TV-Praktikantin zu Ruhm gekommen, hat jetzt ihr „Traumgewicht“ – und eine leitende Position im Sender. Stabilisierung ist angesagt. Doch mit der Erbarmungslosigkeit der biologischen Uhr schreitet auch die Zeit voran. Bridgets „seriöser“ Journalismus wird bedroht von einer neuen Chefredakteurin, ihrer Armee bärtiger Hipster und dem Marktdiktat solcher Leute: Glitzer, Glamour, Katzenvideos. Privat ist Bridget ohnehin längst entlassen, und so hockt sie an ihrem 43. Geburtstag wieder auf jenem berühmten Sofa und heult in sich hinein. All by myself.

Welche Überraschungen im Film „Bridget Jones’ Baby“ noch lauern, verrät der Titel. Bridget wird schwanger, doch von welchem Mann? War es der charmante Amerikaner Jack (Patrick Dempsey) auf dem Musikfestival? Oder ihr just wieder aufgetauchter Mister Perfect Mark Darcy (Colin Firth)? Das will man dann doch wissen, und auch für die drei Beteiligten ist die Frage nicht ganz unerheblich. Das Lustige an der Geschichte ist natürlich, dass bei Bridget alles ins Schlamassel führt, die Lust auf zwanglosen Sex genauso wie der nostalgische Glaube an die große Liebe.

Natürlich darf man als Zuschauer fragen, warum die alte Geschichte nach so langer Zeit wieder aufgewärmt wird. Andererseits, wo soll sie sonst herkommen, die romantische Komödie um gereifte Mittvierziger, die sich auf ein festes Publikum verlassen kann? Und man muss es einfach bewundern, wie Sharon Maguire aus den Albernheiten um abgelaufene Kondome und hochnotpeinliche Vaterschaftstests Funken schlägt. Nach dem eher missglückten zweiten Teil von 2004 führt sie wieder Regie. Und die merklich gealterte Besetzung macht jeden Unsinn mit.

Renée Zellweger – Gerüchte über Schönheitsoperationen sind selbstredend gegenstandslos – lächelt mit Fältchen genauso verwirrt wie ohne. Der Griesgram Firth fällt wie immer darauf herein. Dempsey ist ein zumindest ordentlicher Ersatz für Hugh Grant, der schon im zweiten Teil der Filmreihe kaum mehr zum Zug kam und zu Beginn tatsächlich beerdigt wird, wenn auch in Abwesenheit. Ihr Hahnenkampf führt dazu, dass sie zwischenzeitlich als homosexuelles Pärchen auftreten – mit Bridget als Leihmutter.

Zwar bleibt der Esprit des Originals unwiederholbar. Jüngere Zuschauer werden zuweilen nicht wissen, wovon die Rede ist. Doch im Ganzen gelingt dem neuen Film die harmonische Verknüpfung von allem: von Bekanntem und Neuem, Sex und Romantik, konservativen Familienwerten und hypermodernen Gender-Mainstreaming. Und wie das geht, wollte man doch schon immer mal wissen.

Bridget Jones’ Baby USA/Großbritannien 2016. Regie: Sharon Maguire, Drehbuch: Helen Fielding, Dan Mazer, Emma Thompson, Kamera: Andrew Dunn, Darsteller: Renée Zellweger, Colin Firth, Patrick Dempsey, Emma Thompson u. a.; 123 Minuten, Farbe. Ab Donnerstag im Kino.