Alan Parker 2003 während der Berlinale.
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LondonSeine berufliche Herkunft aus der Werbebranche vermochte der britische Filmregisseur Alan Parker kaum zu leugnen, und in seiner umfangreichen filmischen Biografie hat sich dies durchaus positiv bemerkbar gemacht. Einen ersten Akzent hatte Parker so in den quietschbunten 70er-Jahren gesetzt, als er mit „Bugsy Malone“ (1976) eine durchtrieben-unterhaltsame Gangsterparodie auf die Leinwand brachte, in der die Protagonisten durchweg von Kindern gespielt wurden. Die zu diesem Zeitpunkt gerade erst 14 Jahre alte Jodie Foster war da im Filmgeschäft bereits ein alter Hase, und Alan Parker präsentierte sich mit seinem vierten Film als Nerd, der das Kino liebt. Roman Polanski hatte es ein knappes Jahrzehnt zuvor mit „Tanz der Vampire“ ganz ähnlich gehalten – die Parodie als eine mit Augenzwinkern vorgezeigt Eintrittskarte in die cineastische Welt.

Auf „Bugsy Malone“ folgte „Midnight Express“, ein Drama nach einer wahren Geschichte, in der ein amerikanischer Student in der Türkei wegen Haschisch-Schmuggels zu 30 Jahren Haft verurteilt wird. Der Film brachte Parker den Vorwurf ein, anti-türkisch zu sein. Parker hingegen verteidigte sich: „Ich dachte, wir haben einen Film über Unrecht gedreht.“

Über seine tiefen Einblicke in die ästhetischen Mechanismen der Werbung fand der 1944 in London geborene Alan Parker bald zum Genre des Musikfilms und kehrte später immer wieder dorthin zurück. „Fame – Wege zum Ruhm“ aus dem Jahr 1980 handelt von Jugendlichen an einer New Yorker Schule für darstellende Künste, der zugleich das glamouröse Lebensgefühl der beginnenden 80er-Jahre einfängt, in denen man sich zumindest ansatzweise dem Gefühl hingeben mochte, soziale Barrieren überwinden zu können.

Kurz darauf folgte für Parker dann ein echter Musikfilm. „Pink Floyd – The Wall“ setzte in der Tradition der Rock-Oper die bombastische Klangwelt der von Roger Waters angeführten Band Pink Floyd um, die ihre experimentell-verspielten Anfangsjahre zulasten eines unbedingten Werkwollens hinter sich gelassen hatten. Alan Parker aber hatte da bereits eine handwerkliche Perfektion erreicht, die dramaturgische Mängel mühelos überdeckte. „Eine technisch brillante Kakophonie aus Licht und Ton“, befand dazu der Filmkritiker Norbert Stresau, „überschüttet hier den Zuschauer und beraubt ihn jeglicher Möglichkeit der Verarbeitung des Gesehenen.“

Für die Freunde der Parker‘schen Ästhetik ist zweifellos „Angel Heart“ das herausragende Werk des Regisseurs, ein Mystery-Thriller, der den Privatdetektiv Harry Angel (Mickey Rourke) tief hinein in den amerikanischen Süden und in unentwirrbare okkultistische Fänge lockt, zu dem Robert de Niro den Teufel gab.

Alan Parkers Filme wurden vielfach ausgezeichnet, darunter das Rassismus-Drama „Mississippi Burning“ sowie der Film „Die Commitments“ über eine Gruppe Jugendlicher, die im irischen Dublin auf die Idee kommen, eine Soulband zu gründen. Am Freitag ist Alan Parker nach langer, schwerer Krankheit im Alter von 76 Jahren gestorben.