Berlin - Bei all den Radiosendern, die ihren Hörern tagtäglich „das Beste der 80er Jahre“ ins Ohr träufeln, ist Bruce Hornsby bis heute wegen seines Riesenhits „The Way It Is“ eine feste Größe.

Der Song wurde 1986 mit seinem markanten, ins Jazzige ausfransenden Pianoriff und der starken Stimme des US-Amerikaners zum Musterbeispiel für anspruchsvollen Mainstream-Pop.

Nach vielen Jahren mit weniger spektakulärem, aber stetigem Erfolg - auch als Soundtrack-Komponist - hat sich Hornsby (67) von der kommerziell ergiebigen Frühphase überraschend radikal verabschiedet. Sein neues Album „'Flicted“ ist das dritte in Folge, mit dem dieser Singer-Songwriter beim aktuellen Electro- und Indiepop andockt.

War zuvor Justin Vernon (Bon Iver) ein neuer Sidekick, so präsentiert Hornsby nun gleich im Opener „Sidelines“ sein Duett mit Ezra Koenig (38), nach dessen Band Vampire Weekend der Track dann auch klingt. Top-Produzent Blake Mills (35) mischt bei dieser Single-Auskopplung ebenfalls mit, Sängerin Danielle Haim (33) später auf „Days Ahead“.

Hornsby umgibt sich also auch für sein neuestes Werk mit angesagten, hochtalentierten Kollegen - das Abhängen mit den alten Buddys der 80er ist seine Sache nicht. Erfreulicherweise klingt „'Flicted“ aber keineswegs zwanghaft „hip“, sondern unverkrampft mutig.

Lust an neuen Sounds

Hier lebt ein erfahrener Musiker glaubwürdig seine Lust an neuen Sounds und für ihn passenden Experimenten aus, etwa in leicht avantgardistischen Tracks wie „The Hound“ und „Maybe Now“/„Bucket List“ oder im coolen Chuck-Berry-Cover „Too Much Monkey Business“. Und wenn sich Hornsby doch wieder dem „Classic Rock“ oder dem Folk nähert wie in „Tag“, „Days Ahead“ und „Is This It“, dann dienen immerhin Peter Gabriel, Sting oder Glen Hansard als Vorbilder.

Nach „Absolute Zero“ (2019) und „Non-Secure Connection“ (2020) bleibt der dreifache Grammy-Gewinner also auch mit den zwölf neuen Songs auf Kurs Richtung Indiepop-Moderne. Ob nun eine Trilogie vollendet wurde, wie es die Label-PR andeutet, ob Hornsby danach also wieder glattere Folkrock-Sounds bevorzugen oder noch spannendere Stil-Exkursionen unternehmen wird (womöglich mal konsequent auf einem Jazz-Album) - man blickt seiner Entwicklung mit einiger Vorfreude entgegen.