Als der Prager Journalist Egon Erwin Kisch im Sommer 1913 von Montenegro aus in die Hafenstadt Rijeka im heutigen Kroatien wanderte, wurde er von lauten Gewehrschüssen überrascht. Er war sich sicher, dass ein Krieg ausgebrochen war, aber seine Begleiter beruhigten ihn, es seien lediglich montenegrinische Jugendliche gewesen, die mit russischen Gewehren auf kleine Fische in den Gebirgsbächen zielten.
Das Bewusstsein, sich in explosiven Zeitläuften zu bewegen, die alsbald in einen Krieg umschlagen konnten, war in den Jahren vor 1914 stark ausgeprägt. Aber wenn man zu dieser Zeit von Krieg sprach, dachte man eher an lokal begrenzte Konflikte. Der Balkan war eine Region, in der es jederzeit losgehen konnte. Den Beginn des Ersten Weltkriegs, der sich in unserem heutigen Geschichtsbewusstsein als katastrophale Zäsur tief eingeprägt hat, registrierten viele Zeitgenossen des Jahres 1914 zunächst ganz arglos als Ausbruch des dritten Balkankriegs innerhalb weniger Jahre.

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