Momentan liegen weniger Bücher auf dem Band: Der Versandriese Amazon nutzt in der Krise seine Lagerkapazitäten lieber für ertragreichere Produkte.
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Zahlreiche Buchverlage stellen gerade fest, dass ihre Titel vom Internetkaufhaus Amazon nur zurückhaltend geordert werden. Das in Seattle ansässige US-Unternehmen, einst als Buchhändler gestartet, hält in der Krise in Deutschland Lagerkapazitäten vorrangig für Sanitärprodukte und andere Artikel des täglichen Bedarfs frei.

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Wer bei Amazon nach einem Titel sucht, wird nun oft zuerst auf das E-Book der Eigenmarke dieses Händlers verwiesen, auf den Kindle. Erst der nächste Klick führt zum Buch aus Papier. So möchte der Händler seine Kunden erziehen.

Muss Amazon der größte Vertriebspartner bleiben?

Im Börsenblatt des deutschen Buchhandels erscheint ein offener Brief eines Literaturagenten, der zunächst schildert, wie wichtig derzeit Versandhändler für Bücher sind. Außer in Berlin und Sachsen-Anhalt sind alle Buchhandlungen geschlossen, bieten bestenfalls wie eine Notapotheke die Bedienung durchs Fenster an. Der Briefschreiber fordert von der Branche, dass sie sich wehrt: „Verlage, macht eurem größten Vertriebspartner klar, dass er jetzt liefern muss.“

Aber muss Amazon für Verlage der größte Vertriebspartner bleiben? Es gibt Online-Händler, die auf Bücher spezialisiert sind. Sie heißen etwa Buecher.de, Hugendubel.de und Thalia.de. Viele Buchläden haben Webseiten mit Kauf-Option oder sind an Geniallokal.de angeschlossen. Kleine Verlage bieten an, bei ihnen direkt zu ordern, große verlinken zu verschiedenen Händlern. S. Fischer zum Beispiel empfiehlt: „Entlasten Sie Amazon.“

Das ist ein guter Vorschlag: Entlasten Sie Amazon, entmachten Sie Amazon. Soll der Steuern sparende Gigant doch Klopapier und Backhefe vorhalten. Für Bücher gibt es Alternativen.