Berlin - Wann immer man ein Buch bei ihm kaufte, schien man begutachtet zu werden. „Gute Wahl“, sagte er dann. „Kennen Sie die frühen Arbeiten der Autorin?“ Leo Baumann schien seine Kunden zu taxieren, ehe er ihnen gestattete, eines seiner geliebten Bücher zu erwerben.

Hört sich obsessiv an, aber Leo Baumann war auf vornehm-leise Art zurückhaltend. Das erste Mal war ich Mitte der 80er-Jahre in der Knesebeck 11, meine Freundin wohnte ein paar Häuser weiter. Ich kam oft, angezogen von den sorgsam gestalteten Schaufenstern, in denen er geisteswissenschaftliche Preziosen prominent platzierte. Barthes und Baudrillard, später immer wieder auch Slavoj Zizek. Es war, als wolle er den nicht gerade leicht zugänglichen Autoren eine Brücke bauen, so verführerisch lagen sie da im Fenster, werbend für ihre Version der Welterklärung. Nicht selten habe ich ein Buch gekauft, weil Leo Baumann es ins Fenster gelegt hatte.

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