In der Regel sind bibliophile Bücher ein aufgetakeltes Grauen. Schon der Begriff ist Quatsch. Es können die Bücher ja schlecht sich selber lieben. Gemeint sind besonders schön gemachte Bücher für Bibliophile, oft in der Handpresse liebevoll gedruckt und in der Auflage streng limitiert. Diese künstliche Verknappung ist aber ein kitschiger Unsinn, der den eigentlichen Zweck des Buchdrucks, nämlich möglichst viele Exemplare herstellen zu können, unterläuft. Wert soll durch Seltenheit vermehrt werden. Was soll man aber von einem Buch halten, das von vornherein nicht von möglichst vielen gelesen werden soll? Nein, diese selbstverliebte Buchkunst ist ein verschmockter Unsinn.

Hier aber kann von einer Ausnahme berichtet werden, die großartig ist, weil sie die Sache auf eine äußerste Spitze treibt. Das Buch „Sind wir denn nur in Cordbettwäsche etwas wert?“ von Max Goldt ist mit seinen 32 Seiten von dem Drucker Martin Z. Schröder auf drei verschiedenen Maschinen gesetzt und auf zwei Maschinen gedruckt worden, der Umschlag auf einer sogenannten Pedal-Bostontiegel namens „Emil Kahle“, gebaut in Leipzig-Paunsdorf um 1900. Erschienen ist es beim Drucker selbst, im nach ihm benannten Verlag. Die Produktion wurde, ganz zeitgemäß, im Internet dokumentiert unter www.druckerey.de.

Gesetzt ist das kleine Buch in mindestens 33 Schriften, darunter die Kavalier, Sinfonie, Figaro, Maxima, Walbaum, Sinkwitz Gotisch und Ganz Grobe Gotisch. Das Wunder: Entstanden ist dabei kein Schriftsalat. Die diversen Schriften geben dem vornehmen Witz Max Goldts vielmehr Halt – einem Witz, der vornehm noch bleibt und bleiben muss bei Themen wie „Seinen Puller rausholen und Salz draufstreuen?“, denn gerade solche Themen haben es ja nötig. Besonders schön auch die zunächst simpel in Schreibmaschine gesetzte E-Mail an einen gewissen Pummeltom, „Angehöriger einer Familie, in der Zustände herrschen, angesichts derer manch einer ausrufen möchte: Das sind vielleicht Zustände!“

Max Goldts Humor ist, das merkt jeder, kostbar. Wie kostbar er jedoch wirklich ist, merkt man erst durch die typographischen Arrangements des Druckers, der die kurzen Texte zu Bildern, ach was, zu zweidimensionalen Architekturen erst zerlegt, dann zusammenbaut.
Ein Satz wie „Schade um die schöne Verschwendung“ – in einer knappen Klage über das Sparen – sieht doch allemal besser aus, wenn er daherkommt wie ein Möbel von Adolf Loos, in einer Schrift nämlich, von der wir vermuten, dass es sich um eine Wiener Grotesk handelt. In einer Eleganz jedenfalls, dass man über die Lettern streichen möchte. Wieder und wieder.