Am 18. August wurde die 20 Titel umfassende Longlist für den Deutschen Buchpreis 2020 bekannt gegeben.
Quelle: dpa

BerlinDa der flaue Künstlerroman „Der letzte Satz“ von Robert Seethaler den Sprung auf die Longlist für den Deutschen Buchpreis geschafft hat, stellen sich Fragen wie diese: An welchen Stellen der Diskussion blieben eigentlich solche extrem gegenwärtigen Romane wie Thorsten Nagelschmidts „Arbeit“ oder Anna Katharina Hahns „Aus und davon“ zurück? Was genau wird gesucht, wenn es um den besten Roman des Jahres geht?

Die diesjährige Jurysprecherin Hanna Engelmeier sagte hierzu: Die Longlist spiegele wider, dass viele Romane „das (auto)biografische Erzählen“ nutzten. Stark vertreten gewesen seien zudem „Titel, die sich mit historischen Themen auseinandersetzen“. Die Liste greife aber „zusätzlich Romane auf, die sich jüngeren, identitätspolitischen Debatten widmen“. Sie repräsentiere eben nicht nur eine Vielfalt von Themen, sondern auch poetischer Ausdrucksformen.

Olivia Wenzel und Bov Bjerg stehen auf der Buchpreis-Longlist

Auch anderes ist weniger überraschend: Etwa, dass die Bachmannpreisträgerin Brigit Birnbacher mit ihrem klugen und menschenfreundlichen Resozialisations-Roman „Ich an meiner Seite“ (Zsolnay) nominiert wurde, ebenso Bov Bjerg mit seinem viel gelobten Vater-Sohn-Drama „Serpentinen“ (Claassen). Dass Olivia Wenzel mit ihrem Debüt „1000 Serpentinen Angst“ (S. Fischer) über ein Leben als schwarze Deutsche dabei ist. Und Leif Randt mit dem coolen Beziehungsroman „Allegro Pastell“ (Kiepenheuer & Witsch).

Schön, dass die verheißungsvollen neuen Romane von Dorothee Elmiger, „Aus der Zuckerfabrik“ (Hanser), und Roman Ehrlich, „Malé“ (S. Fischer), die Jury auch interessierten. Schön, dass wieder ein Titel des Deutsche-Buchpreis-Machers Jung und Jung nominiert ist: Helena Adlers Debütroman „Die Infantin trägt den Scheitel links“. Und dass Christine Wunnicke, die berühmteste zu-wenig-bekannte Autorin der Longlist, mit „Die Dame mit der bemalten Hand“ (Berenberg) erneut eine Chance bekommt. Dass der bisher größte Überraschungssieger, Frank Witzel (2015), erneut im Rennen ist, diesmal mit „Inniger Schiffbruch“, erfreut auch. Matthes & Seitz hat damit gleich zwei Nominierungen: Hier erschien auch Anne Webers „Annette, ein Heldinnenepos“.

Verlagsdominanzen waren auffälliger, die Ausgeglichenheit (zehn Frauen, zehn Männer, fünf Nominierte gebürtig in Österreich, drei in der Schweiz) wirkt nicht kühn, aber respektabel. Suhrkamp ist mit Valerie Fritschs „Herzklappen von Johnson & Johnson“ sowie mit Deniz Ohdes „Streulicht“ vertreten. Bei Kiepenheuer kommt noch Thomas Hettches „Herzfaden“ hinzu. Rowohlt ist über die „Hundert Augen“ mit Eva Sichelschmidts „Bis wieder einer weint“ dabei, Klett-Cotta mit Iris Wolffs „Die Unschärfe der Welt“, Diogenes mit Charles Lewinskys „Der Halbbart“.

Weiterhin war Platz für Arno Camenischs „Goldene Jahre“ von Arno Camenisch, Stephan Roiss’ Debütroman „Triceratops“ und Jens Wonnebergers „Mission Pflaumenbaum“. Am 15. September geht es weiter mit der Shortlist.