Mit dem Filmgenre romantische Komödie, so hat es den Anschein, liegt man als deutscher Filmproduzent nie verkehrt. Das erfolgreiche Recyceln der im Grunde immergleichen Idee ist geradezu eine Spezialität von deutschen Filmschaffenden wie etwa Til Schweiger und Matthias Schweighöfer; verlässlich sorgen beide als jungenhafte Filous für gut gefüllte Kinokassen.

Insofern ist es nur folgerichtig, dass sich nun auch der Comedian, Schauspieler, Drehbuchautor, Regisseur und Produzent Michael „Bully“ Herbig mit „Buddy“ diesem Format zuwendet. Seine letzten Kassenknüller, die Frühwerke „Der Schuh des Manitu“ (2001) und „(T)Raumschiff Surprise“ (2004) liegen schließlich schon ein paar Jahre zurück. Der viel gelobte „Wickie und die starken Männer“ (2007) “ spielt als Kinderfilm in einer anderen Liga, und seinen Projekten als Schauspieler in „Hotel Lux“ (2011) und „Zettl“ (2011) war zuletzt kein kommerzieller Erfolg beschieden.

Also doch besser zurück zur parodistischen Zweitverwertung populärer Themen, die „Bully“ Herbig in seinen ersten Spielfilmen so erfrischend vorgeführt hat. Um dieses Mal im Vorfeld genügend Aufmerksamkeit für den Filmstart zu gewinnen, hat sich der Kontrollfreak Herbig einen ganz besonderen Werbefeldzug einfallen lassen.

In der aktuell im Privatfernsehen ausgestrahlten Sitcom „Bully Macht Buddy“ spielt er einen Filmemacher, der verzweifelt versucht, einen Film namens „Buddy“ zu realisieren – die Zuschauerreaktionen auf den nicht eben von feinem Humor getragenen Sechsteiler sind allerdings verheerend.

Nun kann Michael „Bully“ Herbig zweifelsfrei auf niedliche Weise lustig sein, zum klassischen Traummann taugt er damit nicht. Insofern beweist Herbig in „Buddy“ mit der Besetzung Alexander Fehlings als zu rettendem Womanizer ein gutes Gespür. Der zwar präsente, aber als Held romantischer Komödien noch unverbrauchte Fehling spielt den Erben eines multinationalen Getränkekonzerns. Verantwortungslosigkeit ist Eddies erste Natur, er lässt die Puppen tanzen, weswegen das einst vom Übervater regierte Unternehmen in die Schieflage gerät.

Dieses weitgehend orientierungslose Dasein zu beenden, hat sich der bald im Schrank sitzende, semi-professionelle Schutzengel Buddy („Bully“ Herbig) vorgenommen. Da Buddy gleich seinem Vorbild aus dem herrlichen Filmklassiker „Mein Freund Harvey“ nur für Eddie wahrnehmbar ist, löst er bei seinem Schützling zunächst erhebliche Abwehrreaktionen aus. Eine Haltung, die Eddie auch gegenüber der alleinerziehenden Altenpflegerin Lisa einnimmt, mit der Buddy ihn aus irgendeinem Grund unbedingt verkuppeln möchte.

Auffällig an dieser Konstellation ist vor allem die an „Keinohrhasen“ und „Zweiohrküken“ erinnernde Besetzung und Inszenierung der weiblichen Hauptfigur. War es dort die dunkelhaarige Nora Tschirner, die als Kindergärtnerin auch für das Seelenheil und die moralische Integrität des Playboys Til Schweiger sorgen musste, ist es hier die Typ-ähnliche Mina Tander, die als Altenpflegerin die wahren Werte für ein redliches und glückliches Leben mitbringt.

Wir lernen daraus: Frauen in sozialen Berufen sind niemals blond und haben den gesellschaftlichen Auftrag, deviante Männer zu trösten und zu nützlichen Mitgliedern der Gesellschaft zu erziehen. Da das allein langweilig zu werden droht, hat Herbig seinen Film mit in diesem Zusammenhang nicht unbedingt naheliegender Action beschleunigt. Tatsächlich sind die an James-Bond-Filmen geschulten absurden Verfolgungsszenen ausgesprochen ansehnlich, und wenn er seinen Hauptdarsteller in vollem Lauf gegen einen Bus prallen lässt, ist das durchaus amüsant.

Ein Umstand, der für Buddys zahlreiche Schlagergesangseinlagen nur bedingt gilt. So richtig dankbar für „Buddy“ müsste dagegen die Wirtschafts- und Tourismusförderung der Stadt Hamburg sein. So schön und aufregend wie der überzeugte Münchner Herbig hat lange niemand die Hansestadt inszeniert. Der durchaus rührselige Film wird sicher seine weihnachtlich gestimmten Zuschauer finden. Maßstäbe setzt er nicht.

Buddy Dtl. 2013. Regie & Drehbuch: Michael „Bully“ Herbig, Kamera: Torsten Breuer, Darsteller: Michael „Bully“ Herbig, Alexander Fehling, Mina Tander, Daniel Zillmann, Jann-Piet Puddu, Christian Berkel u. a.; 94 Minuten, Farbe. FSK ab 6.