Darauf einen Karottensaft: Bugs Bunny wird 80.
Foto: imago images/Everett Collection

BerlinDiesen Trickfilm-Hasen aus den Warner Bros. Studios kennt jeder. Insgesamt trat Bugs Bunny in weit über 150 Zeichentrickfilmen auf, sogar einen Oscar gewann er, und selbstredend kann er auch einen Stern auf dem Walk of Fame für sich verbuchen. Wir schreiben den Juli 1940, als der Möhren essende Zweibeiner im animierten Kurzfilm „A Wild Hare“ (deutscher Titel: „Die Hasenfalle“) erstmals in der heute bekannten Form in den Kinos zu sehen war. 

Bereits 1934 allerdings hatte Warner-Konkurrent Walt Disney mit Max Hare in dem Film „The Tortoise and the Hare“ („Die Schildkröte und der Hase“) einen ziemlich ähnlich aussehenden Mümmelmann präsentiert. Nach dem Motto „besser gut kopiert als schlecht erfunden“ zeigte Regisseur Frederick Bean „Tex“ Avery sechs Jahre später in der „Hasenfalle“, wie Bugs Bunny dem ebenso gnaden- wie glücklosen Jäger Elmer Fudd das Leben schwer macht. Eine aufwändig konstruierte Hasenfalle mit zentrierter Möhre etwa fängt nur ein Stinktier, und als Fudd auf den Hasen schießt, stirbt dieser zunächst einen theatralischen Tod, springt dann aber kurze Zeit später doch wieder auf und hüpft davon. Zum Verrücktwerden!

Zum Schießen: In „A Wild Hare“ von 1940 geht Elmer Fudd auf Hasenjagd.
Foto: imago images/Everett Collection

Niemand ist so frech wie Bugs, keiner kann so cool Möhrchen verputzen wie er. Und zu allem hat er immer noch einen Spruch parat, sein „What’s up, Doc?“ (deutsch: „Is’ was? Was geht ab, Doc?“) mit typischem New Yorker Bronx-Brooklyn-Akzent avancierte in Amerika zum geflügelten Wort. Der pfiffige Hase setzte den Satz routinemäßig zur Begrüßung der jeweiligen Gegenspieler ein.

Neben dem leichtfertigen Umgang Warners mit dem geistigen Eigentum Disneys gab es auch Anleihen aus der Screwball-Komödie „Es geschah in einer Nacht“ mit Clark Gable. Die Art und Weise, wie Bugs Bunny seine Karotten knabbert, erinnert stark an die Essgewohnheiten des Hauptdarstellers. 1938 tauchte der Hase zunächst als namenloser Statist in Ben Hardaways „Porky’s Hare Hunt“ („Porkys Hasenjagd“) auf.

Aufgrund von Hardaways Spitznamen „Bugs“ wurde die Figur intern „Bugs’ Bunny“ genannt, was schließlich zum Namen des Nagers (ohne Apostroph) werden sollte, also „Bugs Hase“. Ob die Figur wirklich ein Hase oder ein Kaninchen ist, bleibt offen. Die Länge der Ohren und die schlanke Erscheinung sprechen für einen Hasen, die weiße Brust aber ist eher das Merkmal eines Kaninchens.

Avery, dessen Leitspruch „In einem Cartoon ist alles möglich“ lautete, zeigte mithilfe des Zeichners Chuck Jones schon in diesem ersten Cartoon viele der Gags, die Bugs Bunny zu einer Lieblingsfigur mehrerer Generationen machen sollte. „Die Hasenfalle“ kam als Teil der Warner-Bros.-Reihe „Merrie Melodies“ in die Kinos, auch in den später produzierten „Looney Tunes“ avancierte Bugs Bunny zum Star. 

In „A Wild Hare“ sieht man Bugs Bunny erstmals in der heute bekannten Form. 

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Wie kein Zweiter spielte der 1980 verstorbene Texaner Avery mit den Möglichkeiten des Zeichentricks und schöpfte das Genre durch aberwitzige Übertreibungen bis an die Grenzen aus. In seinen Filmen laufen Figuren durch den Vor- oder Abspann, halten plötzlich inne, um zum Publikum zu sprechen („Aufregend, nicht?“) oder lüften die Leinwand an einer Ecke und blicken in die nächste Szene. Avery, der bereits auf der Highschool als Zeichner aktiv war, legte in verqueren Situationen ein irres Tempo vor und zündete ein Feuerwerk absurder Gags. Damit schöpfte er das Genre bis an seine Grenzen aus und prägte es maßgeblich.

Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) hatte seit Februar 1940 das animierte Katz- und Maus-Duo Tom & Jerry von Hanna und Barbera im Programm, Disney war mit Micky Maus erfolgreich und die Zeichentrick-Studios von Warner Bros. setzten auf Bugs Bunny. Damals galt es für Warner und MGM, der übermächtigen Konkurrenz von Disney um jeden Preis Paroli zu bieten.

Ab 1960 wurden die Warner-Trickfilme fürs Fernsehen zu der Serie „The Bugs Bunny Show“ (Deutscher Titel: „Bugs Bunny und seine Kumpane“, später auch als „Bugs Bunny – Mein Name ist Hase“) zusammengestellt: „Das ist die große, bunte Bunny Schau und wir sind alle mit dabei …“. Warner etablierte nach und nach hier auch andere Trickfilmfiguren wie Daffy Duck, Sylvester und Tweety, Willy Koyote, Roadrunner, Speedy Gonzales, Schweinchen Dick, den Hahn Foghorn Leghorn oder den kleinen Hühnerhabicht Henry. Bis 1969 entstanden insgesamt mehr als 1000 rund siebenminütige Trickfilme.

Figuren von Tex Avery: Bugs Bunny und Daffy Duck.
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Avery, der auch den lispelnden Daffy Duck erfunden hatte, verhalf dem Hasen mit den markanten Schneidezähnen und den weißen Handschuhen zu einer steilen Karriere. Sie beschränkte sich nicht auf Streifen wie „Knighty Knight Bugs“, der 1959 einen Oscar in der Kategorie „Bester animierter Kurzfilm“ gewann oder den Spielfilm „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ aus dem Jahr 1988. Neben Basketballstar Michael Jordan spielte Bugs 1996 auch in „Space Jam“ und 2003 in „Looney Tunes: Back in Action“. Dabei handelt es sich um mit Zeichentrickszenen kombinierte Realfilme.

Im Gegensatz zu anderen Comic-Figuren wie die Ente Donald oder der Kater Tom, die typische Verlierer sind, zieht Bugs nur selten den Kürzeren. Der gewitzte Hase gerät zwar häufig unverschuldet in Konfliktsituationen, dabei erwischt er seine Gegner jedoch oft auf dem falschen Fuß und wehrt sich so geschickt gegen alle Anfeindungen. Das Credo des „Klugscheißers“ lautet: „Mein Name ist Hase, ich weiß Bescheid.“

Nach Micky Maus war Bugs Bunny erst der zweite Cartoon-Charakter, der 1985 einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame erhielt. Heute ist das schlaksige Langohr aus der Film- und Popkultur nicht mehr wegzudenken. Im Abspann seiner Kurzfilme singt er: „Das Publikum war heute wieder wundervoll, und traurig klingt der Schlussakkord in Moll … die Schau muss weitergeh’n, auf Wiedersehen! ... That’s all, folks.“ 

Übrigens: Noch bis zum 12. August sendet Super RTL zu unterschiedlichen Anfangszeiten zwischen 10.35 Uhr und 18.35 mehrere Episoden mit Bugs Bunny und seinen Looney Tunes. Der Super-RTL-Ableger Toggo plus zeigt das Programm um eine Stunde zeitversetzt, der Sender ist über Satellit und Kabel zu empfangen.