Das Haus der Kulturen der Welt in Berlin. 
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BerlinDer Bundeskulturhaushalt erhöht sich im kommenden Jahr um rund 84 Millionen Euro gegenüber 2019 und steigt damit auf knapp zwei Milliarden Euro. Dieses positive Ergebnis einer Haushaltssitzung des Bundeskulturausschusses am Donnerstag sieht Kulturstaatsministerin Monika Grütters als „deutliches Zeichen dafür, dass Kunst und Kultur für uns in Deutschland eine Haltung und ein Modus des Zusammenlebens sind“, wie sie in einer Pressemitteilung vom Freitag formuliert. Seit ihrem Amtsantritt vor sechs Jahren ist der Kulturhaushalt damit um „mehr als fünfzig Prozent gestiegen“, heißt es darin auch. Der letzte Haushaltsentwurf unter ihrem Vorgänger Bernd Neumann war der für 2014 und belief sich auf 1,207 Milliarden Euro.

Die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien Monika Grütters kann zufrieden sein.
Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka

Ein Schwerpunkt der Bundesförderung von Kultur und Medien in 2020 wird die Investition in kulturelle Substanz sein. Unter anderen sollen das Nationaltheater in Weimar, die Frankfurter Paulskirche, die Garnisonkirche in Potsdam oder das Münster Bad Doberan saniert werden. Auch Gedenkstätten für Opfer des Nationalsozialismus und die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur erhalten mehr Geld, in die Digitalisierung von Kulturgütern wird investiert, und insgesamt drei Millionen Euro sind für Modelle für einen freien Eintritt bei den Museen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und beim Deutschen Historischen Museum zusätzlich vorgesehen.

15 Millionen Euro für „Zukunftsprogramm Kino“

Sechs Millionen Euro mehr gibt es – um weitere Beispiele herauszugreifen - für die Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin, wozu die Berlinale, die Berliner Festspiele mit dem Gropius-Bau und das Haus der Kulturen der Welt gehören. Eine ähnliche Summe (6,5 Millionen Euro) erhält die Initiative Musik für Preise, Festivals im Bereich Pop und Jazz und zur Stärkung der Clubkultur. 15 Millionen Euro stehen für ein von den Ländern mitfinanziertes „Zukunftsprogramm Kino“ zur Stärkung der Kinokultur zur Verfügung, die gleiche Summe erhält das deutsche Auslandsfernsehen Deutsche Welle als sogenannten Aufwuchs auf die bisherigen 350 Millionen Euro jährlich. Und die Aufwendung für Maßnahmen zum Schutz journalistischer Arbeit soll von einer auf zwei Millionen Euro verdoppelt werden.

Die Bewilligung weiterer Mittel von
6 Millionen Euro für den geschichtsrevisionistischen Wiederaufbau der Garnisonkirche in Potsdam ist ein großer Fehler.

Erhard Grundl, kulturpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag

Der kulturpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag Erhard Grundl kritisiert die Planung von Monika Grütters in einer Mitteilung vom Donnerstagabend als intransparent und zuungunsten niedrigschwelliger Angebote auf „Großprojekte“ ausgerichtet. Die sechs Millionen Euro für den „geschichtsrevisionistischen Wiederaufbau“ der Garnisonkirche in Potsdam  hält er „für einen großen Fehler“.  Die Fraktion der Grünen hatte sich unter anderem für eine Aufstockung der Bundeskulturfonds (Musik, Darstellende Kunst, Soziokultur, Literatur und Kunst) eingesetzt, der nicht entsprochen würde. Diese Budgets, aus denen bundesweit eine Projektförderung finanziert wird, waren in 2019 um insgesamt fünf Millionen Euro aufgestockt worden.