Noch in diesem Jahr will die Deutsche Fußball Liga die Bundesliga-Rechte ab der Saison 2013 ausschreiben. Die ARD ist daran sehr interessiert und will auf jeden Fall mitbieten. Allerdings ist diesmal auch eine Zusammenfassung der Spiele im Internet vorgesehen, was das Aus für die ARD-„Sportschau“ bedeuten würde.

Herr Balkausky, an diesem Mittwoch müssen Sie als ARD-Sportkoordinator gemeinsam mit dem Sportchef des ZDF, Dieter Gruschwitz, ihre Programmplanung im Bundestags-Sportausschuss verteidigen. Politiker und Funktionäre kritisieren Sie für die Fokussierung auf Fußball. Zu Recht?

Nein, über das gesamte Jahr betreffen nur ein Viertel unserer Sportinhalte den Fußball. Insgesamt berichtet allein das Erste im Laufe eines Jahres von etwa 50 Sportarten. Den größten Teil, etwa ein Drittel, nimmt der Wintersport ein, bis zum Frühjahr werden es 160 Stunden sein.

Ihre wichtigste Marke, die „Sportschau“ am Sonnabend mit den Bundesliga-Höhepunkten, könnten Sie bald verlieren, wenn die Deutsche Fußball-Liga (DFL) die Rechte für die Saison 2013/2014 neu vergibt.

Wir haben großes Interesse, die Rechte zu halten, aber nicht um jeden Preis. Die DFL würde von unserer Berichterstattung profitieren, denn dadurch wäre gewährleistet, dass die Zuschauer die Höhepunkte zu einer zuschauerfreundlichen Zeit im Free-TV verfolgen können. Die Bundesliga ist eine Volksliga, mit einer Berichterstattung zum Beispiel im Internet wäre diese Bedeutung gefährdet. Trotzdem sind wir nicht bereit, Mondpreise zu zahlen, sondern richten unser Handeln an den Interessen der Gebührenzahler aus.

Ist es im Interesse des Gebührenzahlers, regelmäßig Boxkämpfe in der ARD zu übertragen?

Die Kritik halte ich für unberechtigt. Mit Boxübertragungen ist es möglich, gesellschaftliche Themen anzusprechen. Wir versuchen mit Sauerland als Veranstalter, ein Zeichen gegen Doping zu setzen. Sauerland hat auf unseren Wunsch eine Vereinbarung mit der Antidopingagentur geschlossen, so müssen sich Boxer Kontrollen unterziehen. Die Kosten gehen zu Lasten des Boxstalls. Außerdem haben ARD-Boxer wie Arthur Abraham, Marco Huck oder Karo Murat einen Migrationshintergrund. Sie zeigen, dass Sport einen Beitrag zur Integration leisten kann.

Der Migrationshintergrund wird von Kommentatoren kaum erläutert, stattdessen überwiegen Showelemente. Wo sehen Sie andere so genannte Sozialisationsbotschaften, die der öffentlich-rechtliche Rundfunk auch in seiner Sport-Berichterstattung vermitteln muss?

Vor allem die Fußball-Übertragungen erreichen ein heterogenes Publikum und helfen, dass sich gesellschaftliche Gruppen aufeinander zu bewegen. Außerdem wären manche Sportverbände ohne Lizenzeinnahmen durch Fernsehrechte von der Existenz bedroht. Im Jugendbereich wären die Folgen verheerend. Um kleineren Verbänden eine Plattform zu bieten, sind Quotenzugpferde wie Fußball, Boxen, Wintersport wichtig, so werden viele Menschen an die ARD herangeführt.

Im Gegensatz zu Politik- und Wirtschaftsjournalisten berichten Ihre Reporter über Sportarten, für deren Rechte Millionen geflossen sind. Wie sehr beeinflusst das die Berichterstattung?

Die Sportberichterstattung unterscheidet sich in Objektivität nicht von der Darstellung politischer oder wirtschaftlicher Themen. Es spielt keine Rolle, ob die TV-Rechte für einen Millionenbetrag erworben wurden oder für einen Euro.

Die Sendung „Sport Inside“ ist das einzige Rechercheformat im deutschen Sport-Fernsehen und läuft montags 22.45 Uhr im WDR. Hätte die Sendung auch auf einem attraktiveren Sendeplatz eine Chance?

Live-Übertragungen haben ein anderes Zuschauerinteresse als Berichte, die unangenehme Fragen aufwerfen und problematische Vorgänge beleuchten. Ich befürchte, dass Hintergrundmagazine wie „Sport Inside“ einen speziell interessierten Zuschauerkreis erreichen und trotz ihrer Qualität ein gewisses Nischendasein fristen.

Ist es möglich, dass die Fußballnationalmannschaft oder die Olympischen Spiele langfristig ins Privat- oder Bezahlfernsehen abwandern?

Prinzipiell ist alles möglich, für den deutschen Markt gehören die beiden Übertragungen zu den wertvollsten Rechten, das Interesse kommerzieller Anbieter liegt auf der Hand.

Das Interview führte Ronny Blaschke.