Berlin - Das Berliner Humboldt-Forum befindet sich in der Eröffnungsschleife. Bereits zum dritten Mal seit Dezember 2020 wurden am Mittwoch also Reden gehalten, diesmal ging es um den Einzug des Ethnologischen Museums und des Museums für asiatische Kunst. Diese vor allem sind es, die die Kunstwerke und Artefakte beherbergen, über deren Herkunft und Legitimität in hiesigen Sammlungskontexten seit geraumer Zeit gestritten wird.

„Und nun?“, fragte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gleich zu Beginn seiner Eröffnungsrede. Die Kunst sei da, aber halten wir den Streit über sie aus? Es ist nicht der Moment für gefällige Belobigungen der Kultur in schweren politischen Zeiten. In bemerkenswerter Klarheit markierte Steinmeier das Humboldt-Forum als Ort einer permanenten Selbstbefragung nationaler Identität. Die Welt sei nicht mehr nur zu Gast, sie sei hier zu Hause. Nicht länger gehe es dabei um Menschen mit Migrationshintergrund. Vielmehr sei Deutschland ein Land mit Migrationshintergrund. Das Humboldt-Forum, so legte Steinmeier nahe, könne künftig eine wichtige Adresse für die fortan immer im Raum stehende Frage sein: „Auf wessen Schultern wurde die westliche Moderne erbaut?“

Wohin gehören afrikanische Kunstschätze?

War das nicht auch der Sound, der aus Brechts „Fragen eines lesenden Arbeiters“ drang und schon vor 50 Jahren Schulstoff war? Der emphatische Höhepunkt dieses eher nüchternen Vormittags indes war der nigerianischen Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie vorbehalten. Mit umwerfenden Charme, intellektueller Klarheit und poetischer Sprachkraft skizzierte sie einen geschichtspolitischen Bezugsrahmen, in dem das Humboldt-Forum die selbst aufgerufenen und von außen herangetragenen Erwartungen erfüllen muss. Über allem schwebe die Frage, wo afrikanische Schätze hingehören. „Es braucht Mut“, so Adichie, „sich an jene Geschichte zu erinnern, auf die man nicht stolz ist.“

Mit feiner Ironie spielte sie darauf an, dass die sogenannten Benin-Bronzen, die einst von Großbritannien geplündert und geraubt worden waren, nun zum Teil ausgerechnet von Deutschland zurückgegeben werden. Sie hoffe sehr, dass das British Museum, das für sein Beharrungsvermögen bekannt ist, vom deutschen Beispiel lerne. Nun, so konnte man den Applaus am Ende verstehen, sollten gerade auch die Objekte zu uns sprechen.