Burkhard Driest (1939-2020)
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Berlin - Durch die distinguierte Welt des deutschen Kulturlebens peitschte er Mitte der 70er-Jahre hindurch wie ein wütender Sturm. Dabei war Burkhard Driest bereits 35 Jahre alt, als er in Reinhard Hauffs Film „Die Verrohung des Franz Blum“ die Rolle des brutalen Gefangenen Kuul übernahm, der dem sensiblen Mitinsassen Franz Blum (der junge Jürgen Prochnow) die Haft zur Hölle macht. Das Drehbuch hatte Driest weniger geschrieben als vielmehr aus seiner wilden Halbstarken-Biografie herausgepresst. Aus Übermut und Langeweile hatte Driest 1965 in Burgdorf bei Celle eine Bank überfallen, wofür er zu einer Gefängnisstrafe von fünf Jahren verurteilt worden war, von der er wegen guter Führung aber nur drei Jahre und vier Monate absaß.

Aus Lebensgier und der puren Lust an der Verschwendung wurde eine Bestimmung, denn nach einem abgebrochenen Jurastudium, dessen Kenntnisse er an andere Gefangene vermittelte, reüssierte Driest fortan als Schriftsteller, Schauspieler und Regisseur, der auf eine bis dahin nicht gekannte Art und Weise authentische Erfahrung als künstlerischen Rohstoff behandelte.

Die Begegnung mit Romy Schneider

In zahlreichen Rollen verkörperte Burkhard Driest den Typus des harten Hundes mit Charme. Das Muster für diese Rolle hatte er 1974 eindrucksvoll in der Talkshow „Je später der Abend“ mit Dietmar Schönherr erprobt. Der coole, sich auf dem Sofa fläzende schriftstellernde Bankräuber kokettierte aufreizend provokant mit seiner gesellschaftlichen Außenseiterrolle, was die ebenfalls in der Talkshow anwesende Filmdiva Romy Schneider überaus anziehend fand. Der von ihr hingehauchte Satz „Sie gefallen mir, Sie gefallen mir sehr“ ist seither eine klassische Szene des deutschen Live-Fernsehens, die viel von dem Bedürfnis verrät, aus den konventionellen Verhaltensnormen auszubrechen. Während die RAF-Terroristen Überfälle durchführten und Entführungen vorbereiteten, gab Burkhard Driest den unangepassten Ganoven als Kultfigur seiner Zeit.

Literarische Vorbilder

Das darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Burkhard Driest längst zu einem ehrgeizigen Schauspieler und fleißigen Textarbeiter geworden war, der sich nicht zuletzt an literarischen Vorbildern orientierte. Prägend war für ihn zweifellos der französische Gewaltverbrecher Jacques Meserine, dessen kriminelle Autobiografie  „Der Todestrieb“ zu einem Bestseller wurde. Zusammen mit Rainer Werner Fassbinder schrieb Driest später das Drehbuch für den Fassbinder-Film „Querelle“ nach einem Roman von Jean Genet, der seine literarischen Figuren ebenfalls aus dem Milieu der Zuhälter und Dirnen rekrutierte. Burkhard Driest hat mehrere Romane veröffentlicht und immer wieder auch in Serien wie „Tatort“, „Derrick“ und „Ein Fall für zwei“ mitgespielt. Am Donnerstag ist er in Berlin im Alter von 80 Jahren gestorben.