Uli Stein war auch im Ausland bekannt.
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HannoverIn Sachen Ehrerbietung, das weiß man seit Schillers „Wilhelm Tell“, sind die Schweizer erfahren und traditionsbewusst. Etwas überraschend war es aber doch, dass die Schweizerische Post 2005 Sondermarken nach Motiven des deutschen Karikaturisten Uli Stein auflegte. Angetan waren die Eidgenossen dabei von der berühmten Stein-Maus. Ein Namenswitz, der in gezeichneter Form besonders charmant ausgefallen war. Vorwitzig, neugierig, manchmal auch ein bisschen hämisch – das Markenzeichen des 1946 in Hannover geborenen Zeichners, der seine Laufbahn zunächst als Journalist begonnen hatte, erlangte bald den Status visueller Unverwechselbarkeit. Die sich bald rasend vervielfältigenden Werke Uli Steins waren ein leicht zu entzifferndes Indiz für Heiterkeit, wie sie auf internationalem Parkett der vor gut einem Jahr verstorbene Argentinier Mordillo verkörperte.

Tiere waren im Verlauf der bildnerischen Laufbahn Steins sichere Bank, im animalischen Tun und Lassen vermochte er seinen hintersinnigen Humor auszuspielen, denn natürlich sind Tiere die besseren Menschen, selbst dann noch, wenn sie ins Abgründige tendieren. Dabei nutzte Uli Stein mitunter auch seine Doppelbegabung als Zeichner und Fotograf. So zeigte die Ausstellung „Wow, Wau“ Hundecartoons mit sehr lebensnah wirkenden Hundeporträts, die der Hundeliebhaber Uli Stein selbst fotografiert hatte.

Aber, ach – die Menschen. Natürlich geht es um sie auch in Tiercartoons, das weiß man nicht erst seit „Charlie Brown“ und den „Penauts“. In seinen vor allem über die Fernsehzeitschrift „TV Hören und Sehen“ verbreiteten Witzbildchen karikierte Uli Stein über Jahrzehnte die kleinbürgerlichen Verhaltensweisen, ohne sie je zu denunzieren. Wenn Männer und Frauen, das ließ sich aus seinen Eheszenen lernen, schon nicht zueinander passen, dann können sie doch gemeinsamen an den Komplikationen des Alltags scheitern. Es war stets ein liebevoller Blick, den Stein für seine Zeitgenossen übrig hatte, tatsächlich zeigen ihn auch die vielen Porträtfotos als verschmitzten Typen von nebenan, der sich am liebsten über eine gute Bildidee beugt, um aus den Wirren des Alltags zu verschwinden.

Ohne in seinen Arbeiten dezidiert politisch zu sein, war Uli Stein durchaus auch ein politischer Mensch. Im Bundestagswahlkampf von 2005 gingen zahlreiche Cartoons durch das Internet, in denen er sich mit der nach der Wahl abgelösten rot-grünen Regierung auseinandersetzte, und 2018 gründete er die Uli-Stein-Stiftung für Tiere in Not. Wie erst jetzt bekannt wurde, ist Uli Stein bereits vor einer Woche im Alter von 73 Jahren in seinem Haus bei Hannover gestorben und bereits im engsten Freundeskreis beigesetzt worden. In den letzten Jahren hatte Stein an den Folgen einer Parkinsonerkrankung gelitten.