Die Borussen aus Mönchengladbach mussten bei ihrem ersten Auftritt in der Champions-League-Qualifikation Lehrgeld zahlen. Das Debüt der sogenannten Fohlenelf in der sogenannten Königsklasse ging mit einer 1:3-Niederlage gegen die Dynamos aus Kiew gründlich daneben. Dabei hatte Neuzugang Alexander Ring bereits nach 13 Minuten Gladbach in Führung gebracht. Am Ende jedoch siegte die Mannschaft mit der größeren internationalen Erfahrung.

Auch das ZDF hatte am Dienstagabend seinen ersten Auftritt als Champions-League-Sender. Das sogenannte Zweite wusste jedoch über weite Strecken zu überzeugen, obwohl auch hier noch nicht alles zusammenpasste. Vor allem Katrin Müller-Hohenstein hat sich seit der Europameisterschaft äußerlich sehr zu ihrem Nachteil entwickelt, sie trägt jetzt Halbglatze und hat Übergewicht. Außerdem lässt sie sich neuerdings mit Oliver Welke ansprechen. Dafür scheint sie an ihren fachlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten gearbeitet zu haben, auch in dieser Hinsicht ist sie kaum wiederzuerkennen. Was sie fragt und sagt, zeugt plötzlich von fußballerischem Verstand, da nimmt man den körperlichen Verfall gern in Kauf. Man kann ja schließlich nicht alles haben.

Neben Müller-Hohenstein, die jetzt Oliver Welke heißt, steht immer noch der andere Oliver. Der Olli, der Kahn, der Titan. Er ist in jeder Hinsicht der Alte, von außen betrachtet ist da auch nicht mehr viel kaputt zu machen. Ansonsten raisoniert er wie eh und je über die Bedeutung des Fußballs im Allgemeinen und dieses Spiel im Besonderen. „Fußball auf diesem Niveau ist ein Fehlervermeidungsspiel“, weiß Titan-Olli, was Oliver Welke, der früher mal Katrin Müller-Hohenstein war, sehr zu gefallen scheint. Jedenfalls wiederholt er die Sache mit dem Fehlervermeidungsspiel noch ein paar Mal, wobei er zunächst versucht, den Begriff als seine Erfindung auszugeben. Doch dann erinnert er sich an so etwas wie journalistische Sorgfaltspflicht und gibt die Quelle preis.

Ansonsten hat sich das ZDF für die neue Saison nur noch mit Jochen Beyer verstärkt, einem jungen Nachwuchstalent aus der zweiten Mannschaft. Der 29-Jährige soll den Konkurrenzkampf im Moderatorenteam erhöhen und dann zum Einsatz kommen, wenn sich die Außendarstellung von Katrin Müller-Hohenstein weiter verschlechtert. Bis dahin setzt der Sender auf die eingespielte Kommentatoren-Viererkette Poschmann, Wark, Schmidt und Réthy. Letzterer machte Dienstag den Anfang und lieferte eine solide Leistung ab, ohne Höhen und mit wenigen Tiefen. Etwa, wenn Réthy vom Ringkampf spricht, während Alexander Ring um den Ball kämpft.

Schlimm: Die berüchtigte Nachberichterstattung

Deutlich schlimmer geriet die berüchtigte Nachberichterstattung mit den gewohnt investigativen Fragen: Was ist schiefgelaufen? Woran hat’s gelegen? Wie geht’s weiter? Schiefgelaufen ist im Spiel vieles, bei der Übertragung hätte die eine und die andere Zeitlupe dem Zuschauer gutgetan. Woran’s gelegen hat, wusste keiner außer Fehlervermeider Olli Kahn, wie’s weitergeht, wird der nächste Mittwoch weisen.

Bis dahin ist noch viel zu tun, nach der Übertragung ist schließlich vor der Übertragung, und auf irgendwelchen Erfolgen darf sich der Sender jetzt nicht ausruhen. Das zeigen auch die Quoten. 4,3 Millionen Zuschauer haben die Champions-League-Debüts von Borussia Mönchengladbach und dem ZDF verfolgt, das macht Rang drei in der Tabelle. Ganz vorn steht mit der ARD-Serie „In aller Freundschaft“ so etwas wie der FC Bayern München im deutschen Serienwesen, gefolgt von einer anderen ARD-Serie, die sich „Der Dicke“ nennt.

Für Oliver Welke-Hohenstein und seine Jungs ist da also noch, ich sach mal, Luft nach oben.