27 war Charlotte Rampling als sie 1974 durch Liliana Cavanis „Der Nachtportier“ berühmt wurde. Sie spielte darin eine KZ-Überlebende, die ein Sadomaso-Verhältnis mit ihrem einstigen Peiniger aus dem Lager eingeht. In einer Szene singt sie – oben ohne bis auf die Hosenträger - in einem Lokal voller SS-Männer: „Wenn ich mir was wünschen dürfte.“ Auf Deutsch mit französischem Akzent und dunkler Stimme, dazu bewegt sie sich wie eine Leopardin. Es ist eine verstörende Szene.

Foto: Manuel Romano
Charlotte Rampling 2019 bei der Berlinale. Sie wurde damals mit dem Ehrenbär ausgezeichnet.

Der Film provozierte Ärger, Abscheu, Aufführungsverbote. Aber die Rolle spricht vom Wagemut dieser Schauspielerin, die nicht nur in diesem Film ihre Lust demonstrierte, sich selbst herauszufordern, Grenzen zu durchbrechen.

In „Max Mon Amour“ von Nagisa Oshima stellt sie eine Frau dar, die sich in einen Schimpansen verliebt, sie spielt eine alternde Sextouristin in „In den Süden“ von 2005, von Jürgen Teller ließ sie sich nackt mit der Mona Lisa im Louvre fotografieren. Wie passend Letzteres. Wahrscheinlich gibt es außer der Frau auf dem Gemälde keine andere, die so oft als geheimnisvoll beschrieben worden ist wie Charlotte Rampling. Und als intelligent, diszipliniert und von charismatischer Schönheit.

Foto: Imago
Ihre Augen erinnern an die eines Huskys: die junge Charlotte Rampling. 

„Schauspielen ist eine Art von Meditation“, sagte sie in einem Vogue-Gespräch mit dem Fotografen Peter Lindbergh. „Sie sorgt dafür, dass das eigene Denken immer langsamer wird, bis keine Gedanken mehr da sind. So ein Raum muss sich auftun, damit beim Schauspielen etwas passiert und man ein anderer Mensch wird.“ In diesen Raum ist Charlotte Rampling immer wieder gelangt.

Am 5. Februar wird die in England geborene Charlotte Rampling 75 Jahre alt.