Der Berliner Kneipenchor will wieder singen.
Foto: Berliner Kneipenchor/Julian Mathieu

Berlin - Chorsingen ist nicht nur Musizieren. Chorsingen ist auch Besinnung, Gemeinschaft, Kontemplation. Umso schmerzvoller wirkt es da, dass ausgerechnet der Chorgesang – als die kommunikativste und sozialste Form des Musikmachens – zum Symbol für die Gefahren und Übertragungswege des Coronavirus geworden ist. Mittlerweile weiß es jeder: In geschlossenen Räumen können viruslastige Aerosole schlecht entweichen. Beim Gesang werden sie in hoher Konzentration in die Luft gewirbelt und übertragen. Beweise gibt es genug. Der Kirchengesang hat in mehreren Gotteshäusern zu regelrechten Übertragungswellen geführt.

Dennoch gilt auch hier, dass die Risiken und Kollateralschäden klug abgewogen werden müssen. Denn das Singen gilt als besonders gemeinschaftsstiftend und wirkt gegen Einsamkeits- und Isolationsgefühle – jene Symptome also, die in der Coronakrise gesteigert wahrgenommen werden. Die Berliner bekommen das Singverbot nicht nur in den Kirchen zu spüren. Auch säkulare Hobbychöre und Pivatensembles sind betroffen, die sich über die ganze Stadt verteilen und Menschen verschiedener Klassen und Milieus einander näherbringen. Die Vereinsamungstendenz in der spätbürgerlichen Gesellschaft – der Chorgesang gilt als Impfung dagegen und ist jetzt wegen Corona im Giftschrank gelandet. Daher werden die Rufe an den Senat immer lauter, sich Konzepte für einen verantwortungsbewussten Chorgesang zu überlegen. Das fordert nicht nur der Landesmusikrat Berlin, sondern auch Hobbyensembles wie der Berliner Kneipenchor. 

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