Wir sind im Paris von heute, die Autos auf den Straßen zeigen es. Doch schon die erste Szene lässt Zweifel an der Gegenwärtigkeit aufkommen. Georg, ein junger Mann, wird geschickt, jemandem Briefe zu überbringen. Die sind mit altdeutschen Buchstaben, in Sütterlin, beschriftet. Wenn Georg wenig später in Marseille eintrifft, das Romanmanuskript des Mannes in der Tasche, der die Briefe bekommen sollte, sieht die Stadt aus, wie heute Städte aussehen. Zum Telefonieren aber benutzen die Menschen öffentliche Münzfernsprecher.

Christian Petzold lässt die Zeit im Ungefähren in „Transit“. Mit den Schauplätzen verfährt er ähnlich. Solche Absteigen, wie Georg sie aufsucht, kann man sich in einer mitteleuropäischen Stadt heute nicht mehr vorstellen. Auch die Menschen lassen sich nicht klar zuordnen. Der kleine Junge, der auf der Straße Fußball spielt, sagt, er spreche nur wenige Worte Deutsch: „Scheiße, Doppelpass, Borussia Dortmund?“ Er wirkt wie ein Flüchtlingskind von heute. Und warum hat der Regisseur dem Darsteller des US-amerikanischen Konsuls nicht nahegelegt, wenigstens mit Kaugummi-Akzent zu reden? Dieser Beamte, der so genau auf alle Regeln achtet, scheint eher der deutschen Gesellschaft entsprungen.

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