Berlin - Eine Berufsanfängerin lehnt einen Arbeitsvertrag ab, weil sie nicht mit der Gesinnung ihres künftigen Chefs einverstanden ist. Dieser macht die Ablehnung öffentlich, doch da hatte er noch nicht mit den rund 36.000 Followern des Schauspielers und Satirikers Christian Ulmen gerechnet. Doch von vorn.

Markus Roscher-Meinel ist Rechtsanwalt für Erbrecht und Strafrecht, seine Kanzlei sitzt in Berlin. Unter anderem vertrat der Jurist Uschi Glas und deren Sohn Benjamin Teewag. Als Anwalt erwirkte er auch, dass das Verbot des Logos Thor Steinar, einer Bekleidungsmarke, die gern von Neonazis getragen wird, aufgehoben wird.

Markus Roscher war schon politisch aktiv

Und er ist politisch: Sein Weg führte ihn über die FDP, zur CDU und nun bis zur AfD. In diesem Jahr ist Roscher-Meinel nun Direktkandidat der AfD für die Bundestagswahl im September.

Mit dieser politischen Denke konnte eine junge Frau sich nicht anfreunden. Am Montag twitterte Roscher-Meinel: „Wollte morgen Rechtsanwältin (Berufsanfänger, Note: 4+) fest anstellen. Arbeitsvertrag fertig. Nun sagt sie ab: Grund: Meine #AfD Kandidatur!“

Knapp 460 Menschen gefiel dieser Tweet, etwa 200 leiteten ihn weiter. Doch als Christian Ulmen den Beitrag entdeckte, stellte er Roscher-Meinel in Kürze bloß: „Respekt für eine junge Rechtsanwaltsanfängerin irgendwo in Paderborn! So geht Hoffnung“, schrieb er.

Inzwischen ist Ulmens Kommentar mit Roscher-Meinels Tweet im Anhang am Donnerstagmittag rund 1700 Mal geteilt worden, Tausende gaben dem Tweet ein Herz.

Eine Nutzerin schrieb: „Gut so. Respekt für die Frau. Sie findet bestimmt etwas besseres.“ Natürlich ließ der Anwalt das nicht auf sich sitzen. „Sie würden sich also nicht vorher erkundigen, bei wem Sie sich bewerben, obwohl das überall im Internet steht?“, fragt er.

„Dünnes Eis“

Auch Ulmen schaltete sich prompt wieder ein: „Hat's ja noch rechtzeitig erkannt und wird künftig sicher nicht mehr auf Rechtsextremisten-Check verzichten“, twitterte er. Roscher-Meinel nannte diesen Kommentar Ulmens „dünnes Eis“.

Worauf dieser „sehr dünnes Eis sogar“ zurücktwitterte.
Der Anwalt nannte Ulmens Gezwitscher „Zeitgeistsurferei“, er wolle ihm jedoch nicht den Gefallen tun, ihn mit einer Unterlassungsklage zu „belohnen“.  

Auch der AfD-Verband Lüneburg schaltete sich ein und twitterte „Christian Ulmen – als Schauspieler und Mensch überbewertet. Das ist Ulmens Antwort: