Ein Wrambrrughini ist ein sehr schnelles Auto. Und klingt Wrambrrughini nicht so viel besser als Lamborghini? Eben so, wie ein sehr schnelles Auto sich anhört? Wichtiger als die Aussprache ist in dieser Szene allerdings die Abwesenheit des Wrambrrughinis. Ronaldo Junior, fünf Jahre alt, und der Senior, dreißig, der Fußballsupersuperstar von Real Madrid, stehen also vor einer Garage, einer Doppelgarage, eine doppelte Doppelgarage ist das sogar, in die etwa ein Dutzend sehr schneller und sehr teurer Autos passt. Madrid. Die Sonne scheint.

Der Vater hat den Sohn sanft, aber doch nachdrücklich hineingeschoben und zwar mit dem Auftrag, herauszufinden, welche Nobelkarre denn heute fehlt. Dialog:

Sohn: „Porsch?“

Vater: „Não.“

Sohn: „Rois?“

Vater: „Muito mais rápido!“ (Nein, viel schneller!)

Sohn: Wrambrrughini!“

Ha, sagt der Vater zum Sohn, du hast es nicht gewusst! Trotzdem Küsschen. High five. Ab ins Haus. In den Pool. Klimmzüge im Fitnessraum. Auf die Fernsehcouch. Und wozu dieses Ratespielchen? Weil ein Reifen gewechselt werden musste. Deswegen steht der Lamborghini jetzt nicht in der Garage. Keine Pointe. Erst mal.

Vierzehn Monate an der Seite von CR7

Am Montag kommt der Film „Ronaldo“ ins Kino. Überraschend. Intim. Außergewöhnlich. Das verspricht das Filmplakat, und um dieses Versprechen machen zu können, durfte der britische Regisseur Anthony Wonke vierzehn Monate lang Ronaldo und seine Entourage, Clique, Familie begleiten.

Dazu zählen vor allem der dauertelefonierende, Rolex tragende und jeden mit „Hello, my friend“ begrüßende Spielerberater Jorge Mendes. Zitat: „Du kannst alles sein. Was ich tue, ist dagegen nichts.“ Dann Ronaldos älterer Bruder Hugo, der im Gegensatz zu seinem vor zehn Jahren an Leberzirrhose verstorbenen Vater dem Alkohol entkommen ist und jetzt das Museum auf Madeira leitet, das Ronaldo sich dort bauen ließ, um all seine Erfolge angemessen zur Schau stellen zu können. Hugo sagt: „Alles was ich habe, habe ich meinem Bruder zu verdanken.“ Natürlich die Mutter, Maria Dolores, die Ronaldo, das vierte Kind, eigentlich abtreiben wollte, aber jetzt stolz ist, dass ihr Cristiano der beste Fußballer der Welt geworden ist, weshalb sie nicht mehr putzen gehen muss, sondern sich ganz auf ihre Fanrolle konzentrieren kann, dazu aber jede Menge Beruhigungsmittel braucht: „Wir müssen gewinnen!“ Und Cristiano Junior, der lieber Torwart als Stürmer werden will.

Erfahrener Filmer

Wonke hat einen Dokumentarfilm über den Bürgerkrieg in Syrien gedreht, er war mit der Kamera in Afghanistan unterwegs, hat den Rennfahrer Ayrton Senna und die Sängerin Amy Winehouse posthum porträtiert. Über Ronaldo wollte der Fußballfan in ihm wissen, was kaum jemand weiß: Wer ist dieser Typ eigentlich? Und wie geht er damit um, von den vielen Millionen da draußen entweder geliebt oder gehasst zu werden?

Ronaldo war einverstanden. (Dass er noch nicht selbst draufgekommen war!) Drei Tage nach dem ersten Treffen begannen die Dreharbeiten. Aber es dauerte viele Wochen, bis der Hauptdarsteller dem Regisseur vertraute, bis etwas Überraschendes und Intimes vor der Kamera geschehen sollte. Nur das Außergewöhnliche blieb aus. Und in dieser seltsamen Anfangsszene sieht man eben einen Ronaldo, der noch nicht weiß, was er seiner Fanwelt über sich erzählen soll, und der dann aus Verlegenheit beeindrucken, protzen will. Meine Garage. Meine Autos. Mein schlauer Sohn. Vor allem: Mein Ego.

Tore, Korken, Tränen

Entstanden ist ein Film, der in groben Zügen Ronaldos Karriereweg nachzeichnet. Von Madeira, seiner Heimatinsel, die er als zwölfjähriges Talent verließ, über Lissabon, nach Manchester und zu Real Madrid, wo man ihn angeblich nur gegen eine Ablösesumme von einer Milliarde Euro ziehen lassen will. Es fallen Tore, es knallen Korken, es fließen Tränen. Ronaldo singt Rihanna. Ronaldo trinkt Milch. Ronaldo blinkt beim Spurwechsel. Ronaldo ärgert sich beim Kartenspielen in seinem Privatjet. Er verliert nun mal nicht gerne. Nirgends. Nicht mal über den Wolken. Und am Anfang und am Ende des Films wird er zum Weltfußballer des Jahres gewählt, dazwischen gewinnt er die Champions League, la Decima, endlich, bei der Weltmeisterschaft in Brasilien scheitert er mit Portugal in der Gruppenphase.

Nur lustig mit Alkohol

Im Grunde aber erzählt der Film eine Familiengeschichte, eine im Wechsel zu Mitgefühl und Mitleid rührende Geschichte über einen freiwillig alleinerziehenden Vater und einen Sohn, der noch nicht alt genug ist, zu fragen: Papa, wer ist meine Mutter? Und wo ist sie? Die Antworten hat Ronaldo bislang geheim gehalten. Vor fünf Jahren hat er seine Vaterschaft über Facebook und Twitter bekanntgegeben. Im Film sagt er, dass Ronaldo Junior keine Mutter braucht. Und er hofft, dass der Sohn die Entscheidung verstehen wird.

Seinen eigenen Vater hat Ronaldo nicht gekannt, nicht wirklich, sie sind sich in keinem Gespräch näher gekommen, der Sohn fand den Vater nur lustig, wenn dieser wieder getrunken hatte. Ronaldo hat sich einen anderen Vater gewünscht. Es wäre wohl das Schlimmste für ihn, wenn sein Sohn irgendwann das gleiche denken würde.