Dr. Anneliese Eckart (Christina Große) und Johann Gmeiner (Reiner Reiners) versuchen bei der Belegschaft Begeisterung zu entfachen.
Foto:   BR/NDR/Novafilm GmbH/Daniela Incoronato

BerlinGibt es eigentlich deutschen Humor? Gewiss, die Frage ist nicht besonders originell, doch Christina Große kann ihr durchaus etwas abgewinnen: „Ich glaube, Humor ist immer sehr subjektiv! Wo dem einen vor Lachen Tränen kommen, schüttelt die andere nur den Kopf.“

Sie weiß genau, wovon sie spricht, denn die Comedy-Serie „Das Institut – Oase des Scheiterns“ ruft solche Reaktionen hervor. Warum das so ist? Weil die Dinge, die in dieser Einrichtung – die an ein Goethe-Institut erinnert – passieren, einerseits stark an der Wirklichkeit orientiert sind, sich andererseits ohne Scheu vor politisch unkorrekten Witzen und verrückten Albernheiten darüber lustig machen. Drehbuchautor Robert Löhr und Regisseur Markus Sehr kennen dabei kein Pardon – zur Freude der Zuschauer.

Anneliese in Kisbekistan

In den neuen Folgen spielt Christina Große wieder die ungnädige Institutsleiterin Anneliese Eckart, die es ins fiktive zentralasiatische Kisbekistan verschlagen hat, wo sie mit ein paar Mitstreitern deutsche Kultur verbreiten soll. Allerdings hat sie weder für ihr Gastland noch für die Kollegen viel Sympathie. „Die Eckart“, sagt die Schauspielerin, „ist im Grunde ein alter, weißer Mann, ignorant, anmaßend, voller Vorurteile und Besserwisserei.“

Lange Zeit hat Christina Große, wie sie einmal sagte, als das „Emotionalchen des deutschen Fernsehens“ gegolten. Nun genießt sie es, auch ihr komödiantisches Talent zeigen zu können. In „Das Institut“ prasseln die Gags schnell und dicht auf das Publikum ein, die Komik ist ansatzlos – und genau das mag und braucht Christina Große. Dann kann sie völlig in den Kosmos einer solchen Produktion eintauchen – wie früher, als sie im „Theater 89“ oder im Maxim-Gorki-Theater auf der Bühne stand. Geboren 1970 in Blankenhain und aufgewachsen mit drei Brüdern im thüringischen Saalfeld, studierte sie ab 1990 an der Filmhochschule Babelsberg.

Es geht um Haltung

Heute zählt sie zu den vielbeschäftigten und in unterschiedlichsten Rollen überzeugenden Schauspielerinnen. In aufwendigen Produktionen wie in Low-Budget-Filmen hat sie sich als Spezialistin für Charaktere profiliert, die einiges auszuhalten haben – wie die gebeutelte alleinerziehende Mutter in „Anders schön“ von Bartosz Werner oder die Ehefrau eines Alkoholkranken in „Alki Alki“ von Axel Ranisch.

„Ja, mich reizen Rollen, bei denen es um Haltungsfragen innerhalb der Gesellschaft geht!“, sagt Christina Große. Sie vermag mit der Raffinesse ihrer Gestik, der Beredtheit ihrer Mimik und mit der Kraft des Herzens, das sie in all ihren Figuren schlagen lässt, lebendig zu machen – selbst „in der Eckart“, diesem teutonischen Besen am Rande der Welt und dabei immer mittenmang in Deutschland.

Das Institut – Oase des Scheiterns ab 19.3., 22.45 Uhr, Bayerischer Rundfunk