Berlin - Christoph Nußbaumeder ist ein erfahrener Autor von Dramen. Seit 15 Jahren schreibt der Niederbayer Stücke, die unter anderem für ihre knappe und dichte Sprache und für ihre kernige Substanz gelobt werden. Vor zehn Jahren versuchte er sich dann an einer Familiensaga. „Eisenstein“ heißt das Stück nach einem Ort im Bayrischen Wald und wurde in Bochum uraufgeführt, die Kritik war durchwachsen: Der Bogen halte nicht, was mit antiker Wucht anhebe, verläppere zunehmend, die Figuren begännen zu resonieren, überhaupt diese Weitschweifigkeit mit den vielen Orts- und Zeitsprüngen ... Die als zu brav kritisierte Inszenierung hat dreieinhalb Stunden gedauert.

Dabei ist nichts falsch an dem Stoff. Es geht um die Magd Erna, die nach dem Krieg fliehen muss, unterwegs von einem kommunistischen KZ-Häftling geschwängert wird und das Kind dem verheirateten Sägewerksbesitzer Josef unterjubelt. Erna soll erzählen, dass das Kind von ihrem im Krieg gestorbenen Verlobten stamme. Um seinen illegitimen Sohn in seiner Nähe und unter seinem Schutz aufwachsen zu lassen, verkuppelt Josef Erna mit seinem Bruder. Georg heißt der Sohn und entwickelt sich prachtvoll, kein Wunder, dass Josefs Tochter Gerlinde sich in ihn verliebt. Josef, der glaubt, Georg sei sein Sohn und diese Liebe also inzestuös, wirft sich dazwischen. Wir sind da schon ganz dicht am Happyend, denn es muss ja nur eine Lüge aus der Welt geschafft werden, um diese Liebe möglich zu machen. Aber, ach, es folgen neue Lügen, zwischen denen das Leben sich seine Bahnen bricht und vergeht. Und die Alten nehmen ihre Stücke der Wahrheit mit in die Gräber.

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