Schriftzug auf dem Dach des Bühnenturms.
Foto: Christian Brachwitz

BerlinFast auf den Tag ein Jahr Zeit hat sich die Senatsverwaltung für Kultur genommen, um nach dem plötzlichen Rücktritt von Kay Wuschek als Intendant des Theaters an der Parkaue eine Nachfolge zu finden. Das ist einerseits knapp für ein gründliches Findungsverfahren, zumal der Rücktritt vor dem Hintergrund rassistischer Vorfälle eine organisatorische Baustelle und künstlerische Identitätskrise hinterlassen hat. Andererseits hätte es auch nicht länger dauern dürfen, weil das Theater ab der nächsten Saison unter neuer Leitung spielen soll und spätestens im Oktober die Entscheidungen darüber gefallen sein müssen, wer im Ensemble bleiben darf. Die Entwicklung und vertragliche Verzerrung eines Spielplans in ein paar Monaten ist ebenfalls schwer zu leisten, viele Regisseure sind schon über Spielzeiten ausgebucht. Man wünschte sich wirklich moderatere Übergänge zwischen den Intendanzen, aber es ist ja für Klaus Lederer nicht das erste Mal, dass er aus einer Notsituation heraus tätig werden muss. Siehe Volksbühne.

Es habe, geht aus der Pressemitteilung hervor, 48 Bewerbungen gegeben. Durchgesetzt hat sich nach einem „expertengestützten Auswahlverfahren“ – ein schöner Begriff für das Handeln eines Kultursenators, der sich die Entscheidungshoheit nicht von Gremien aus der Hand nehmen lässt, aber durchaus Beratung einholt – ein Intendantenduo. Es besteht aus Christina Schulz (geb. 1972), seit 2009 Leiterin der Bundeswettbewerbe der Berliner Festspiele, und dem Regisseur Alexander Riemenschneider (geb. 1981), der in Berlin am Deutschen Theater kleine und feine Arbeiten abgeliefert hat, zum Beispiel „Tschick“ und „Transit“.

Die Interimsleitung unter Florian Stiehler hat viele Anstrengungen unternommen, den Rassismusstreit produktiv zu machen. Auf die geleistete Arbeit können Schulz und Riemenschneider aufbauen, etwa auf die durch Workshops für das Thema sensibilisierte Belegschaft und die Antidiskriminierungsklausel in den Verträgen – der Weg für einen künstlerischen Neuanfang ist frei. Gebrochen wird an dem Haus mit der Tradition des alleinverantwortlichen Intendanten. Die beiden stehen, wie die Kulturverwaltung auf Nachfrage der Berliner Zeitung bestätigt, vertraglich auf einer Stufe, es soll kein Machtgefälle zwischen Intendanz und Oberspielleitung geben. Das alles macht neugierig und hoffnungsvoll.